
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Aufstand der Schatten
Bildquelle: (c) Alfred Rhomberg
Nach und nach fanden sich immer mehr Schatten auf dem großen Platz ein, auf welchem eine Schattendemonstration stattfinden sollte. Die Schatten entrollten ihre Transparente mit denen sie gegen das Licht demonstrieren wollten. Gerade betreten der Oberschattengewerkschsftsführer mit einem Tross von Unterschattengewerkschaftsführen das Podium. Die Schattentechniker hatten bereits Mikrofonproben mit Erfolg durchgeführt, sodass die Rede des Oberschattengewerkschaftsführers die versammelten Schatten optimal erreichen würde. Der Oberschattengerwerkschaftsführer begrüßte zunächst die auf dem Platz versammelte Schatten und stieg anschließend sofort in eine von äußeren Beobachtern als aggressiv empfundene Rede ein. Die anwesenden Schatten waren fasziniert und ihre Begeisterung stieg in dem Maße, als der Oberschattengewerkschaftsführer sich in seiner Rede zu Hasstiraden gegen das Licht hinein steigerte. Schließlich kam es zu Tumulten bzw. einem Aufstand der Schatten gegen das Licht und weder die Schattenordner noch die öffentliche Polizei konnten Gewalttaten verhindern, die durch die Hasstiraden des Oberschattengewerkschaftsführers immer mehr angeschürt wurden. Als niemand mehr Herr der Lage war, beschloss das Licht einzugreifen, indem es sich abschaltete. Zunächst begannen die Schatten und die Schattengewerkschaftsführer zu verblassen, bis sie sich dann ins Nichts auflösten. Der große Platz war plötzlich leer – übrig blieben nur die staatlichen Ordnungshüter der Polizei.
Ausnahmsweise hat diese Geschichte auch eine Moral: Man sollte nie gegen etwas oder gegen jemanden demonstrieren, wenn man weiß, dass der Gegner stärker ist. Etwas weniger kryptisch ausgedrückt, müssen Teilnehmer aggressiver Streiks, selbst wenn sie im Augenblick Erfolg haben, damit rechnen, dass sie vom Stärkeren gekündigt und dadurch in die Bedeutungslosigkeit entlassen werden. Das ist traurig aber wahr [sic].
(Alfred Rhomberg)
am 30.04.2009 13:58










