
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Bad times for éminences grises
Bildquelle: Netzwerk, (c) Alfred Rhomberg - Computergrafik
Das einzige was man von grauen Eminenzen wirklich weiß ist, dass sie grau sind und im Hintergrund ihre Fäden ziehen. Das war früher so, heute hatte sich daran bis vor kurzer Zeit kaum etwas geändert, außer dass die grauen Eminenzen von heute anscheinend besonders grau auftraten und fast ebenso graue Fäden immer nur hin und herzogen, sodass sich oft der Eindruck aufdrängte, es bewege sich nichts mehr. Darin lag das tiefenpsychologische Problem grauer Eminenzen in unserer Zeit: Einerseits konnte der Verdacht aufkommen, es gäbe gar keine grauen Eminenzen mehr, andererseits – wenn es sie gäbe – würde man ihr Wirken nicht erkennen. Viele graue Eminenzen suchten daher besonders geschulte Psychiater auf, um sich für sündteures Geld von ihren Minderwertigkeitskomplexen heilen zu lassen – die Wirkung hielt jedoch nie lange an. Einmal war jener Punkt erreicht, an welchem sie sich zu einer Art Streik entschlossen und ihre grauen Gewänder durch farbenfrohe Alltagskleidung ersetzten. Auch ihre ehedem grauen Fäden und Netzwerke wurden jetzt transparent und rissig, sei es in Form fadenscheiniger Geldgeschäfte, unausgegorener Regierungsvorschläge, Preisabsprachen oder politisch dilettantischer Drahtzieherei. Das ernüchternde daran war, dass sich die Eminenzen jetzt nicht mehr von anderen eminent erscheinend wollenden Personen unterschieden und jeder Außenstehende annahm, dass sie vor ihrer Demaskierung vermutlich auch nicht besser gehandelt hatten – nur sah man dies früher nicht. Manche der grauen Eminenzen wünschten sich daher ihren ehemaligen Zustand zurück – Monsieur Armand Jeans du Plessis – besser bekannt als Kardinal Richelieu – hätte über seine dilettantischen Nachfahren Tränen gelacht (falls er zu so etwas überhaupt fähig gewesen war). Netze die einmal zerrissen sind, lassen sich nicht so einfach wieder flicken – es sei denn unter dem schadenfrohen Gelächter der Zuschauer.
Schlechte Zeiten für graue Eminenzen!
(Alfred Rhomberg)
am 03.07.2009 18:55










