
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Bonjour Tristesse
Bildquelle: Wappen von Afghanistan, (cc) Wikipedia, Public Domain, Autor Andrew Duhan
Der gerade aufgewachte Tag empfand so viel Traurigkeit, die ihm die Nacht zurückgelassen hatte, dass er sich am liebsten gleich wieder der nächsten Nacht überlassen hätte – was ihm seine von irgend einer höheren Macht zugeteilte Rolle aber verbot – also Bonjour Tristesse – ein Bestseller wie der Roman der 18-jährigen Françoise Sagan würde dieser Tag wohl nicht werden!
Die ersten 3 Stunden verbrachte er damit, sich zu schämen – weil man dies nicht so deutlich sehen sollte, verhüllte er sich mit kräftigem Morgennebel. Als er sich seiner Meinung nach genug geschämt hatte, versuchte er die grauen Gedanken mit kräftigen Windböen zu vertreiben und schaltete dabei das Radio an – vielleicht würde etwas Musik seine Stimmung aufhellen. Das war kein besonders guter Einfall, denn statt Musik wurde in den Nachrichtensendungen gerade darüber berichtet, dass der Oberbefehlshaber der Nato eine neue Strategie ankündigte, wie man zukünftig die Taliban in Afghanistan besser bekämpfen könne ohne Zivilisten dabei zu töten – ob er das wohl selbst glaubt? Oder sagt er das nur um die Welt zu beruhigen. Bisher haben sich die Taliban immer unter Zivilisten begeben, um sie als Schutzschild zu benutzen. Vielleicht könnte man sie überreden, das zu unterlassen oder Bomben bauen, die nur Taliban treffen? Jeder weiß, dass es für das Afghanistanproblem keine Lösung gibt, man kann solche Kriege nicht gewinnen – auch wenn man die Zahl der Soldaten erhöht. Man darf solche Kriege nicht beginnen oder sich einmischen1 und sie heute als humanitäres Problem darstellen. Man kann auch keine Soldaten in solche Regionen schicken, die „fast gar nicht“ schießen dürfen und nur „aufpassen“ sollen, damit sich die Menschen in einer Region besser vertragen und sich lieber selbst erschießen lassen, wenn diese Aufpasserfunktion fehlschlägt. Man kann gar nichts – man kann nicht gewinnen, man kann die Soldaten nicht vollständig zurückziehen und von außen zuschauen, wie sich die Menschen dort gegenseitig umbringen und man kann nicht einmal nur „humanitäre Hilfe“ anbieten und sich dabei ganz unhumanitär erschießen lassen. Man kann gar nichts tun, was in der Weltöffentlichkeit Beifall fände. Man könnte sich aus solchen Regionen nur völlig heraushalten, sie völlig durch vollständige Abschottung auf sich allein gestellt lassen, jede Art von Handelsbeziehungen abbrechen, keine humanitäre Hilfe schicken, die einen grausamen aus unserer Sicht mittelalterlichen Prozess nur noch weiter verlängert und dabei zuschauen, bis dieser mittelalterliche Prozess sich wie alle geschichtlichen Prozesse irgendwann (?) einmal von selbst löst. Man kann das nicht, weil unser eigener geschichtlicher, durch den Humanismus eingeleiteter Prozess des immer „friedlicher- und humanitärerwerdens“ uns dies verbietet – soweit ist unser „geschichtlicher Prozess“ allerdings noch nicht fortgeschritten, um nicht immer wieder einmal solche Kriege zu beginnen.
Als der Tag diese Alternativelosigkeit erkannt hatte, begann er durch Wolkenbrüche seiner Traurigkeit Herr zu werden – sich zu betrinken ist dem Tag von irgend einer höheren Macht leider verboten.
(Alfred Rhomberg)
11 Zitat aus Wikipedia: In den 1980er-Jahren besiegten von Pakistan aus operierende und von den USA undSaudi-Arabien finanzierte Mudschaheddin die von der Sowjetunion gestützte Regierung. Die Aufteilung der Machtbereiche scheiterte jedoch an Rivalitäten; die fundamentalistisch islamisch ausgerichteten Taliban-Milizen kamen an die Macht und setzten eine radikale Interpretation des Islam und insbesondere die Scharia mit aller Härte durch. Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA wurde das Taliban-Regime, das Mitgliedern von Terrororganisationen Unterschlupf gewährt hatte, im maßgeblich von den USA geführten Krieg gegen den Terror gestürzt. Das Land ist seit 2004 eine Islamische Republik und verfügt mit Hamid Karzai über einen auf demokratische Art gewählten Präsidenten. Die letzte Präsidentschaftswahl fand am 20. August 2009 statt.
am 07.09.2009 17:26










