
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Computergrafik (I) - Allgemeines
Bildquelle: © Alfred Rhomberg- distorsion I (2003)
Computergrafik (I)- Allgemeines:
Was haben die „Igler Reflexe“ mit Computergrafik zu tun? Zweierlei: A) Bei meinen Wanderungen im Mittelgebirge von Igls fallen mir nicht nur publizistische, sondern auch künstlerische Ideen ein. B) Igls ist vermutlich das einzige österreichische Dorf, das eine lokale Künstlergruppe (igler-art) von ca. 40 professionellen und Hobbykünstlern, sowie Kunsthandwerkern beheimatet, die ihre Werke einmal jährlich in über den ganzen Ort verteilten Lokalitäten ausstellen. Das Interesse und das dadurch gegebene Feedback von ca. 3000 Besuchern aus Innsbruck und Umgebung ist groß – von mir wird (neben Malerei) die Sparte Computergrafik vertreten.
Was fasziniert (mich) an der Computergrafik? Als Wissenschaftler (Chemiker) stelle ich fest, dass das „try and error“ Prinzip auch bei der Computergrafik funktioniert. Die schnelle Möglichkeit Korrekturen durchzuführen, ist am Computer für den kreativen Prozess geeigneter als in der Malerei oder gar in der Bildhauerei, das Gefühl für Bild- und Farbkomposition wird daher besser geschult. Andererseits ist der Zeitaufwand zur Anfertigung guter Computergrafiken erheblich größer als für Acrylgemälde. Das gleiche gilt auch für die Kosten, denn Farbpatronen, unzählige Probeausdrucke, die farbgetreue Umsetzung in digitale Großdrucke und die anfallenden Papier und Kartonkosten sind um ein Vielfaches teurer als Acrylfarben und Leinwand. Natürlich könnte man Computergrafiken beliebig vervielfachen, mein Grafiken sind jedenfalls streng limitiert und signiert (maximal 20 Ausdrucke).
Was gefällt (mir) nicht an vielen Computergrafiken? Häufig weisen Computergrafiken etwas Artifizielles auf, das durch die Verwendung der zahlreichen „Kreativfilter“ sofort Rückschlüsse auf das verwendete Grafikprogramm und die angewendeten Filter zulässt. Ich verwende solche Filter daher sehr spärlich und lasse mich eher durch „Einfälle“ und ständiges Experimentieren inspirieren. Das beginnt bei der Auswahl ganz einfacher und unbedeutender Gegenstände und wird durch die Manipulation des Scanvorganges fortgesetzt. Als ich einer jungen Architekturstudentin meine Arbeitsweise schilderte meinte sie, ich solle meine Techniken nicht so ohne weiteres verraten. Meine Antwort war: Sie können jemandem die beste Fotocamera in die Hand geben, dadurch entsteht noch lange kein gutes Bild. – ausschlaggebend ist immer der Einfall.
Das oben abgebildete Bild – distorsion I, (2003) – zählt zu meinen Lieblingsbildern. Es entstand aus einem weißen Blatt Schreibmaschinenpapier, auf das ich eine Flüssigkeitsspur mit Tee aufgebracht hatte. Das Papierblatt wurde während des Scanvorganges bei offener Klappe mehrfach ruckartig verzerrt. Aus dem Scan wurde ein geeignetes Areal ausgewählt, am PC einige Verschneidungen und Spiegelungen durchgeführt, Helligkeitskontraste verstärkt und eine Einfärbung mit abgestuften Blau- und Grautönen vorgenommen. Abschließend waren nur noch Korrekturen der Bildkomposition erforderlich. Grafikprogramm: Ulead PhotoImpact Vers.3 und PhotoImpact XL (beide von Corel). Bei diesem Bild war die farbgetreue Umsetzung in vergrößerte Digitaldrucke besonders schwierig.
Drei weitere Beiträge über Computergrafik folgen demnächst an dieser Stelle: Computergrafik (II) – abstrakte Bilder, Computergrafik (III) – Landschafts- und figürliche Grafik, Computergrafik (IV) – Fotonahe Computergrafik.
Weitere Beispiele sind in meiner homepage www.arho.at enthalten. (Alfred Rhomberg)



