
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Computergrafik (II) - abstrakte Bilder.
Bildquelle: ©Alfred Rhomberg
Computergrafik (II) – abstrakte Bilder (Fortsetzung von Computergrafik (I) – Allgemeines)
Die meisten meiner Computergrafiken sind „abstrakt“ und folgen dem Muster, sich möglichst weit von konkreten Gegenständen zu entfernen, obwohl sie von (eingescannten) Gegenständen ausgehen. Für meine bisherigen Ausstellungen habe ich daher die Bezeichnung „geformte wirklichkeit“ gewählt. Ich kümmere mich vorläufig nicht darum, dass abstrakte Malerei kunstgeschichtlich veraltet ist und durch die „Konzeptkunst“ abgelöst wurde. Eigentlich gibt es in fast allen Stilepochen abstrakte Elemente – in der Romanik oder Gothik unübersehbar, aber auch in fast allen nachfolgenden Perioden. Natürlich sind auch die Kontexte, Bedeutungen und Assoziationen der ursprünglich von der „Minimal Art“ ausgehenden Konzeptkunst weitgehend Abstraktionen. Nachdem es keine „Wirklichkeit“ gibt, sondern jede Wirklichkeit vom Betrachter unterschiedlich gesehen wird, sind alle bildlichen Darstellungen, sofern nicht das Zufallsprinzip als Arbeitsgrundlage verwendet wird, in gewisser Weise abstrakt.
Für meine Grafiken sind subjektive Farbästhetik und Bildkomposition die wesentlichen Formelemente, darüber hinaus ist für mich der Reiz ausschlaggebend, möglichst unscheinbare Gegenstände als Ausgangsmaterial zu verwenden. Meine Bilder sind vorgeplant und daher weitgehend zufallsunabhängig – der Zufall besteht allenfalls darin, eine bestimmte Idee zu haben.
Anm.: Im Gegensatz zur Antike versteht man heute unter Ideen im Allgemeinen „Einfälle“ und Einfälle entspringen fast immer induktiven bzw. assoziativen Denkprozessen. Inwieweit der Zufall dabei eine Rolle spielt ist derzeit noch nicht geklärt. Einerseits entstehen Einfälle durch im Gehirn gespeicherte Gedächtnisinhalte, andererseits werden diese durch „zufällige“ äußere Sinneseinflüsse und nicht durch methodisches Denken aktiviert. (Zitat aus meinem in Arbeit befindlichen Buch über Kreativitätstechniken).
Rouge et noir: Dem Bild liegt eine Makrofotografie von Regentropfen an einem Fenster zugrunde. Der verschwommene Hintergrund von Bäumen bildet ein gutes Areal für unterschiedliche Einfärbungen. Nach Schärfung wurden die Regentropfen mehrfach durch ein Sturmfilter verzerrt und die Bildkomposition durch Ausschnitt und Bildhöhenveränderung optimiert.
Ringrelief: eine durchsichtige Polyäthylenscheibe (Durchmesser 5 cm) wurde gescannt, der Scan invertiert, entsprechend verschnitten und geformt, neu eingefärbt und die Körnung durch Schärfen und Kontrastverstärkung bewusst hervorgehoben, um das Bild lebhafter zu gestalten.
Inspiration III: ein weißes Blatt Schreibmaschinenpapier wurde mit einer kreuzförmigen Faltung versehen und die unebene Fläche bei geöffnetem Scannerdeckel gescannt. Die Unebenheit des Blattes ergab geringfügige Lichtabstufungen, die anschließend verstärkt wurden. Beim Einfärbungsprozess mussten Hilfslinien angelegt werden, um die gewünschte farbliche Trennung zu ermöglichen. Der wolkige Hintergrund im oberen Teil des Bildes gelang durch unterschiedliche Einfärbung der beim Scannen entstandenen Lichtabstufungen. (Alfred Rhomberg)



