
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Computergrafik (III) - Landschafts- und figürliche Darstellungen
Bildquelle: ©Alfred Rhomberg
Computergrafik (III) – Landschafts- und figürliche Darstellungen.
(Fortsetzung von Computergrafik I und II)
Die Darstellung von Landschaften und Personen ist in der Malerei immer eine besondere Herausforderung. Durch die Fotografie musste die Malerei neue Wege finden, um sich vom Foto zu distanzieren. Doch auch in der Fotografie genügt es nicht, schöne Landschaften aus möglichst interessanten Blickwinkeln zu fotografieren, ebenso wie es nur wenige große FotografInnen gibt, die die Kunst beherrschen den menschlichen Körper künstlerisch darzustellen bzw. unserer heutigen Zeit entsprechend, neu zu erfinden. Was das Thema „Landschaft“ betrifft, so sollte weder in der Malerei noch in der Fotografie die „fertige Landschaft“ – sozusagen als Endresultat – dargestellt werden, vielmehr ist es die innere Einstellung zu einer Landschaft, die in einem guten Bild ausgedrückt werden muss. Wer versucht, mit dem Computer Landschaftsthemen zu verarbeiten, stößt auf die besondere Schwierigkeit, dass in den verwendeten Basisfotos bereits so viel vorgegeben ist, dass es durchaus Fantasie braucht, um sich von diesen Vorgaben zu befreien. In meinen Landschaftsdarstellungen gehe ich sehr verschiedene Wege. So vereinige ich z.B. unterschiedliche Blickwinkel in einem Bild – eine Landschaft wird ja nicht nur durch den Blick nach vorne, sondern ebenso durch den Blick in alle Richtungen – auch nach hinten – definiert. Ein anderer Weg ist, das Wesentliche aus einem bestimmten Blickwinkel zu erkennen und alles Unwesentliche und daher Überflüssige zu eliminieren. So haben mich in Ackerland (II) nur die fast unendlichen Ackerfurchen und die Farben der angebauten Jungpflanzen interessiert. Das dahinter liegende Dorf und die Berglandschaft im Hintergrund waren überflüssig, ich habe daher versucht, die Aussage dieser Ackerlandschaft durch zwei Details zu überhöhen: links wurde der Acker aufgewölbt, um anzudeuten, dass sich hinter der Aufwölbung vielleicht irgend etwas Unerwartetes verbirgt. In der rechten Bildhälfte wurde ein Ackerareal schwebend eingefügt, das die Ausdehnung in die Ferne andeuten soll. Ein dritter Weg wurde im Bild „Abstraktion einer Landschaft“ beschritten. Hier wurden die natürlichen Vorgaben der Landschaft vollständig verlassen und nur die visuellen Reize der Farben von blühenden Rapsfeldern, das Grün der Wiesen und das Blau der entfernten Bergketten in einer abstrakten Komposition vereinigt.
Figürliche bzw. Personendarstellungen gelingen am besten, wenn Einzelpersonen oder Personengruppen in einem bestimmten Kontext dargestellt werden. Gerade der Kontext eines bestimmten Ereignisses oder einer bestimmten Umgebung lassen genügend Spielraum für Interpretationsversuche. Im „Schlosskonzert“ war es meine Absicht, durch die abgeschnittenen Köpfe anzudeuten, dass ein Teil der Besucher ihren Kopf vielleicht bereits im Konzertsaal (oder noch zuhause?) hatte. Im Übrigen wurde das zugrundeliegende Foto vollständig neu aufgebaut (Einfärbung des Bodens und der Personen, Korrektur des Hintergrundes und die Platzierung der Personen). Das Bild „Vernissage“ spricht für sich selbst und will nichts anderes als die Atmosphäre solcher Ereignisse einfangen. Die Aufarbeitung am Computer bestand in der Wahl eines geeigneten Ausschnittes, der Einfärbung der Vernissagebesucher und der Gestaltung des Ausstellungsraumes.
Ich erwarte nicht, dass der Betrachter den oben beschriebenen Interpretierungsvorschlägen folgt. Ein gutes Bild sollte dem Betrachter immer die Freiheit lassen, seine eigene Fantasie anzuregen.
(Alfred Rhomberg)
Weitere Beiträge zum Thema Computergrafik sind in Teil IV zusammengestellt:
am 15.01.2008 10:57
