
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Das kleine Land Ostarrichi zwischen Phäakentum und Utopia
Bildquelle: Das Ostarrichi Patent mit eingesiegeltem Bundeskanzleramt (A. Rhomberg, aus Material für das kein copyright besteht)
Es war einmal ein kleines Land namens Ostarrichi. Das Land wurde von fünf Königen beherrscht – zwei etwas größere, zwei mittelgroße und ein kleiner König, der sich allerdings einbildete, wesentlich größer zu sein, notfalls mit Gewalt (was nie bewiesen wurde). Eigentlich bildeten sie sich nur ein, dass sie ihr Land beherrschen würden, denn das Volk ist undankbar und lässt sich nur von solchen Königen beherrschen, die ihnen Vorteile versprechen und daher versprach jeder von ihnen alles, auch wenn sie es nicht besaßen. Wer besitzt schon alles und selbst wenn sie sich zusammengetan hätten und ihre Ersparnisse vereint hätten, wäre nicht so viel zusammen gekommen, um das Volk zu beschenken – schon deswegen nicht, weil sie über keinerlei Ersparnisse verfügten. Alles was sie besaßen, hatten sie dem Volk vorher weggenommen und verbraucht, aber Völker sind bekanntlich schon froh, wenn sie wenigstens einen kleinen Teil dessen, was ihnen weggenommen wurde, wieder zurück erhalten und seien es nur 50 Dukaten, um ihren Pferden etwas Hafer und sich selbst gelegentlich einen Trank von der Kräuterfrau kaufen zu können. Auch hätte das Volk es begrüßt, wenn Kerzen, Holz und Butter nicht ständig teurer geworden wären – aber in dieser Hinsicht war von keinem der Könige etwas zu erwarten, denn weder wussten sie, ob sie sich im nächsten Vierteljahr noch König nennen durften, noch mit welchen der anderen Könige sie Freundschaft (oder Feindschaft) schließen sollten – denn ganz allein ließe sich das Ostarrichi-Volk wohl kaum von einem der Könige regieren. Beim Kampf gegen die anderen Könige war man nicht ritterlich und bediente sich sogar der jeweiligen Hofpresse bzw. Kronenzeitungen oder anderer Volkszeitungen des Landes.
Es gab aber nicht nur Könige in Ostarrichi, es gab KönigsmörderInnen, RatgeberInnen – und nicht zuletzt das lästige Volk, das sich seine Könige oder Königinnen selbst aussuchen wollte. Unerhört – da hätte man in Ostarrichi ja gleich die Republik ausrufen können! Weil aber das Volk auch gar nicht wusste, welche der Könige es wählen sollte, verließ man sich einfach darauf, welche/r ihnen am meisten Butter versprach und zwar auf Lebenszeit, denn auch wenn man längst nicht mehr arbeitete, so musste man doch etwas essen. So wählte man also diejenigen, die am meisten versprachen und weil die gewählten Könige/innen nie genug Butter zum Verteilen hatten, setzte man sie bald wieder ab, wählte neue und immer wieder neue und wenn sie nicht gestorben sind dann wählt man heute noch!
Auch wenn die Könige von Ostarrichi vielleicht keine besonders ausgeprägte Moral dem Volk gegenüber hatten, so hat doch wenigstens dieses Märchen eine Moral: glaube niemandem, der nur Butter verspricht – man braucht gelegentlich auch etwas Wurst und ein kleines Gläschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Anm.: Die Ostarrichier vergleichen sich manchmal gerne mit den Phäaken, jenem Volk von dem Homer schrieb, dass sie gastfreundlich waren und ein glückliches und sorgloses Leben führen konnten.
Bei Joseph Weinheber hört sich das 1948 („Der Phäake“) so an:
Ich hab sonst nix, drum hab ich gern
ein gutes Papperl, liebe Herrn:
Zum Gabelfrühstück gönn ich mir
ein Tellerfleisch, ein Krügerl Bier,
schieb an und ab ein Gollasch ein,
(kann freilich auch ein Bruckfleisch sein),
ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett,
sonst hat man zu Mittag sein Gfrett
Mit dem Utopia von Thomas Morus haben die Ostarrichier nicht so viel gemein, außer dass man wie in Utopia auf eine für jeden Kranken optimale Krankenversorgung Wert legte. Schon dass die wissenschaftlichen Vorlesungen öffentlich sind und sie zu besuchen die beliebteste Freizeitgestaltung der Utopier ist, kann man bei den Ostarrichiern für eher unwahrscheinlich halten und auch die allgemeine Arbeitspflicht und der gemeinschaftlich betriebene Ackerbau entspricht nicht ganz den Vorstellungen die die Ostarrichier von sich selbst haben.
(Alfred Rhomberg)
am 18.07.2008 18:42
