
Weblog von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Der richtige Weg
Bildquelle: Römisches Labyrinth, Wikipedia - freies copyright
(aus meiner Prosareihe “realität und wirklichkeit”)
Es gibt viele Wege – für eine gesunde Ernährung, für ein zufriedenes Leben, Wanderwege, Umwege, Fluchtwege – den richtigen Weg habe ich noch nicht gefunden. Das liegt vor allem daran, dass mich das Wort „richtig“ immer wieder gehindert hatte, den richtigen Weg zu finden. Neulich war ich schon ganz nahe am Ziel, als mir plötzlich einfiel, dass ein Ziel das Ende eines Weges bedeutet und ich nicht auf den Weg geachtet hatte. Ich musste also umkehren, um herauszufinden wie der Weg aussah, nach dem ich immer suchte, sonst hätte alles keinen Sinn gehabt. Am Ausgangspunkt zurückgekommen, begannen die mir seit langem bekannten Zweifel aufs Neue: ich war mir nicht sicher, ob das Ziel, dem ich so nahe gewesen war sich als richtig herausgestellt hätte – alle Wege führen zwar nach Rom – ich weiß ja nicht einmal in welches Rom ich eigentlich will. Alles spitzt sich daher auf das Wort „richtig“ zu und es ist zu befürchten, dass Neurologen und Linguisten, die derzeit intensiv erforschen wie das Gehirn richtige Sätze von falschen unterscheidet, mir auch nicht weiterhelfen können, denn dazu müssten sie zu aller erst wissen, was richtige und falsche Sätze sind. Philosophisch und linguistisch läst sich nur unterschiedlich definieren, was man unter richtig oder falsch verstehen will und daher werden die vorher erwähnten Forschungen, je nach Definition, falsche oder richtige Ergebnisse zeitigen. Initiative ist nicht immer der richtige Weg – oft ist sie gar kein Weg. Es scheint mir also vorläufig der richtige Weg zu sein, diesen Text an dieser Stelle abzubrechen und mich weiter im Labyrinth der möglichen Wege mit Behutsamkeit umzusehen.
(Alfred Rhomberg)



