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19.11.2008
Die leidigen Zinsen...
Igler Reflexe (288 Beiträge online)
Igls ist ein Dorf ca. 300 Meter oberhalb von Innsbruck und seit 1942 als Stadtteil von Innsbruck eingemeindet. Trotz seines Bekanntheitsgrades als Wintersportort und der 1964/ 1976 für die Winterolympiaden erbauten Kunsteis-Bob- und Rodelbahn mit regelmäßigen internationalen Rennen, ist Igls ein eher ruhiger, angenehmer Stadtteil – ohne laute events. Bei meinen Mittelgebirgswanderungen verarbeite ich die positiven und negativen Nachrichten der Welt zu kleinen Sentenzen (Gedankenlyrik), etwas umfangreicheren Essays und Wirtschaftsartikeln, die ich als freischaffender Publizist und Künstler publiziere. In loser Folge werde ich unter dem Titel IGLER REFLEXE Gedanken, Gedankenlyrik und etwas umfangreichere Essays hier veröffentlichen.

eZine von Alfred Rhomberg

Igler Reflexe - Die leidigen Zinsen...

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Igler Reflexe - Die leidigen Zinsen... - Das Hochhaus der Europäischen Zentralbank Eurotower, Wikipedia - free of copyrights
Bildquelle: Das Hochhaus der Europäischen Zentralbank "Eurotower", Wikipedia - free of copyrights

Als langjähriger freischaffender Publizist für wissenschaftliche und nationalökonomische Fachgebiete werde ich in letzter Zeit immer häufiger gefragt, warum Kredit- bzw. Sollzinsen derzeit immer teurer werden, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB), die Leitzinsen letzte Woche nicht erhöht, sondern sogar angedeutet hat, dass mit Zinssenkungen (vielleicht sogar noch in diesem Jahr) zu rechnen ist. Wie passt das zusammen? Die Antwort ist einfach:

Leitzinsen und Kreditzinsen sind nicht identisch

Unter Leitzins versteht man den von der Zentralbanken zur Steuerung der Geldpolitik festgelegten Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei einer Zentral- oder Notenbank (gegen bestimmte Sicherheiten) Zentralbankgeld beschaffen können, Geld das Banken grundsätzlich von Zeit zu Zeit benötigen, um bestimmte Geschäfte wie z.B. die Vergabe von Krediten, überhaupt durchführen zu können. Aufgabe der Zentralbanken ist es bei ihren Entscheidungen insbesondere die Inflation im Auge zu haben. Nachdem die Inflation in ganz Europa derzeit (wenn auch in einzelnen Ländern unterschiedlich) im Steigen begriffen ist, müsste die EZB die Leitzinsen eigentlich erhöhen, um dadurch eine Verknappung des Geldes zu bewirken. Eine weitere Aufgabe einer Zentralbank ist es jedoch, die Wirtschaft durch zu teure Kredite nicht negativ zu beeinflussen, denn die Industrie, ebenso wie Staatshaushalte brauchen Geld und müssen sich dieses Geld möglichst günstig beschaffen. Hier besteht bei der EZB derzeit der Konflikt zwischen zwei Entwicklungen abzuwägen. Niedrigere Leitzinsen können die Inflation fördern, zu hohe Leitzinsen die Wirtschaft dämpfen. Da im Augenblick die Inflation (wie wir alle feststellen) zwar steigt, diese Steigerung jedoch noch nicht übermäßig hoch ist, andererseits jedoch die Gefahr einer Rezession besteht, ist die Absicht der EZB richtig, wenn sie in der näheren Zukunft eher niedrigere Leitzinsen anstrebt, um die Märkte mit Geld zu versorgen – andernfalls würde die Wirtschaft in der jetzigen Situation sicherlich zusammenbrechen.
Kreditzinsen sind die Zinsen, die ein Kunde am Bankschalter für Konsum- oder Hypothekenkredite bezahlen muss. Auch zu hohe Kreditzinsen sind für die Wirtschaft nicht unbedingt förderlich, weil sie den Konsum einschränken, ihre Höhe wird aber durch den Markt bestimmt d.h die Kreditzinsen werden deshalb durch die Konkurrenz der einzelnen Banken untereinander eher in Maß gehalten werden.

Warum werden die Zinsen am Bankschalter derzeit für Konsumentenkredite höher?

Normalerweise wirken sich die Leitzinsen auf Kreditzinsen in dem Sinne aus, dass Konsumkredite bei höheren Leitzinsen steigen bzw. bei niedrigeren Leitzinsen fallen. Dieser Zinsparallelität steht im Augenblick ein wichtiges Faktum gegenüber: den Geschäftsbanken fehlt ganz einfach das erforderliche Geld um Kredite zu vergeben.

Dafür gibt es zwei Ursachen. Ersten wird durch das Auflösen von Sparguthaben durch die Verängstigungskampagnen der Medien den Banken billiges Geld entzogen, denn Sparguthaben sind wegen ihrer niedrigen Verzinsung der Sparguthaben für die Banken „billiges“ Geld. Zweitens ist das Vertrauensverhältnis zwischen den einzelnen Geschäftsbanken durch die Finanzkrise stark beeinträchtigt (in normalen Zeiten leihen sich Banken untereinander gegenseitig Geld zu günstigen Konditionen aus, wenn eine Bank gerade etwas mehr Geld für bestimmte Geschäftsfelder benötigt). Durch das gegenseitige Misstrauen sind auch Banken nicht mehr bereit, sich gegenseitig auszuhelfen, es sei denn, dass sie als Gegenleistung ebenfalls höhere Zinsen dafür erhalten. Da Kredite zusätzlich derzeit wesentlich restriktiver und nur bei gesicherten Einkommensverhältnissen vergeben werden, kommt es derzeit also zu einer generellen Verknappung von Geld.

Hierin liegt die Erklärung für die derzeit beobachtete Erhöhung der Konsum- oder Hypothekenzinsen: Jede Verknappung eines Produktes – und Geld ist ein Produkt wie jedes andere – führt zu einer Verteuerung des Produktes.

Dies wird sich – unabhängig von der Zinspolitik der Notenbanken – erst dann wieder ändern, wenn das Vertrauen der Bevölkerung wieder nachhaltig gestiegen ist. In Europa dauern solche Prozesse meist deutlich länger als bei den wesentlich optimistischeren US-Amerikanern. Es ist daher durchaus zu begrüßen, dass diesmal auch die europäische Politik, ebenso wie die europäische Zentralbank (EZB) das Problem etwas schneller als gewohnt erkannt haben.


Hinweise auf weitere Beiträge, die sich mit der gegenwärtigen Situation beschäftigen, finden Sie im Beitrag:

Wie viel mal am Tag sind österreichische Sparbücher sicher?

(Alfred Rhomberg)


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(08.11.2008) Kryptische Gedanken beim Malen eines schlechten Bildes
(07.11.2008) Die USA - Stilfragen und mentale Unterschiede
(04.11.2008) Das Märchen vom reichen Banker...
(04.11.2008) A E I O U – Achieving Excellence in Our University
(02.11.2008) Beziehungskrisen
(01.11.2008) Der Tag der Seelen
(30.10.2008) Meinungsfreiheit
(30.10.2008) In Memoriam Bruno - Unvollendete Sonate mit skordierter Violine
(29.10.2008) In Memoriam Bruno – Auch Bären können die Schule satt haben
(28.10.2008) Törggelen
(27.10.2008) Die Krise und warum sie nicht mit 1929 verglichen werden darf
(26.10.2008) Gedanken mit offenem Ausgang
(24.10.2008) In Memoriam Bruno – Die Bergrettung
(24.10.2008) Der nächste Zug
(23.10.2008) Erinnerung an Gartenblumen
(22.10.2008) Neues über Tiroler Bergschafe – es gibt sie!
(22.10.2008) Wenn Bankmanager sich schämen bzw. nicht schämen
(21.10.2008) es ist besser...
(20.10.2008) Das Hinterfragen einer modernen Beziehung
(20.10.2008) Der Bär und sein Computerfreund
(18.10.2008) Gefallenes
(18.10.2008) Der ganz normale Alltag
(18.10.2008) Carpe Diem
(16.10.2008) Alles ist so wie früher – nur anders
(15.10.2008) wenn....
(13.10.2008) Greifvögel
(13.10.2008) Geldumlauf - eine neue noch nicht funktionierende Geldtheorie
(12.10.2008) Vernissage
(11.10.2008) Unsere Gesellschaft ist krank – das „borderline“ Syndrom zwischen Schweinebraten und Börsenpanik
(10.10.2008) doremifasolasido – was nicht in den Noten steht (III)
(08.10.2008) Sind Anleihen in der heutigen Situation ein sinnvoller Ausweg?
(08.10.2008) Paradoxon
(08.10.2008) Die leidigen Zinsen...
(07.10.2008) Wieviel mal am Tag sind österreichische Sparbücher sicher?
(07.10.2008) Das Geheimnis
(06.10.2008) Sollten Spitzenmanager bei Firmenpleiten mit ihrem Privatvermögen haften?
(05.10.2008) Winter I und II
(04.10.2008) Geld - second hand
(04.10.2008) Rennfahrer unter sich
(04.10.2008) Monopoly - neue Entwicklungen der Globalisierung
(02.10.2008) Anbetung, gnadenlos und Zweifel – Architektur
(01.10.2008) Mens sana in corpore sano?
(30.09.2008) Die Welt schwelgt in einem Katastophenszenario....aber man sollte die Chancen dabei nicht vergessen!
(29.09.2008) Bruno, der Eichhörnchenbär
(28.09.2008) Kreativität ist ein synergetischer Prozess zu dem auch „Handwerk“ gehört
(26.09.2008) Inständige Bitte an Meteorologen, auf den Herbst besser aufzupassen
(25.09.2008) Eine (fast) unpolitische Begegnung zwischen Materie und Antimaterie
(24.09.2008) Die Wahl der Qual – oder die Kunst auf dem Wasser zu schreiten
(24.09.2008) ASDF - oder war es nicht doch ADSL?
(23.09.2008) vielleicht .....
(23.09.2008) 347 leere Seiten
(18.09.2008) Befindlichkeiten I und II
(17.09.2008) Das Hinterfragen einer modernen Beziehung
(16.09.2008) Versuche mit Wühlmäusen
(15.09.2008) Gähnende Leere – oder das politische Deduktionstheorem
(15.09.2008) Die Hinterfragung von schwarzen Blättern
(15.09.2008) 684 Promille Alkohol
(14.09.2008) Das Hinterfragen eines leeren Blattes
(13.09.2008) Regietheater - oder die Gefahr, Goethe als Autor abzuschaffen
(12.09.2008) Wissenswertes über das Tiroler Bergschaf
(11.09.2008) Ground Zero - 11.9.2001
(10.09.2008) KUNA – Kurznachrichten
(08.09.2008) Metamorphose von Objekt zu Subjekt und retour
(08.09.2008) Strategien und Taktik
(06.09.2008) Weihnachtsvorkehrungen
(04.09.2008) Am Rande eines kreativen Omniversums
(02.09.2008) Das Symposeon
(01.09.2008) Herbstblätter
(30.08.2008) Die herbeigeredete Rezession
(28.08.2008) Horizont
(26.08.2008) Ungebildete Kängurus
(24.08.2008) Schlechte Kandidaten werden von guten Bürgern gewählt, die nicht zur Wahl gehen!
(23.08.2008) Sportsfrauen, Fußballdamen und Gender Mainstreaming
(20.08.2008) Konstruktionen
(19.08.2008) Die kleine und die ganz große Welt der „Kultur“ – nur was ist klein und was groß?
(17.08.2008) Chaos
(16.08.2008) Die Authentizität des Augenblicks (III) – „Der Fall der Mauer“ in prominenter Gesellschaft
(14.08.2008) Bilder
(14.08.2008) Die Authentizität des Augenblicks II: Rom
(12.08.2008) Die Authentizität des Augenblicks (I): Paris
(10.08.2008) Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen – Chemtrails
(09.08.2008) Offen gesagt
(07.08.2008) Peking am 8.8.2008 - Stell dir vor...es wäre gewesen und es wäre niemand hingegangen...
(06.08.2008)