
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Dieses leidige Motivationsthema…
Bildquelle: (c) Alfred Rhomberg - eine Promotion 1963
Motivation? Gab es das Wort zur Zeit meines Studiums schon? Ich glaube irgendwie ja – aber es wurde nicht gebraucht, wir waren während unseres Studiums – ich weiß nicht was .… heute würde man sagen …. “motiviert“. Vielleicht waren wir „besessen“ – aber soviel verlangt nicht einmal die moderne Motivationsforschung.
Im späteren Beruf (als Chemiker, ebenso wie in allen anderen Berufen) lernte frau/man dann, was Motivation bedeutet – nämlich, dass es sich um ein flüchtiges Gut handelt, das stets „angeregt“ werden muss – und sei es mit untauglichen Methoden, wie ich später sehr bald feststellte.
Die großen Firmen übernahmen leider jene Passagen der Motivationspsychologie, die an sich untauglich sind, z.B.:
„Das Leistungsmotiv wird dann angeregt, wenn die Person die Aussicht hat, sich mit einem Gütemaßstab messen zu können. Dies führt zu einer Motivation, den Anreiz aufzusuchen oder zu meiden“.
Oder es wurde versucht, Leistung durch Gehaltserhöhungen zu verbessern. Abgesehen davon, dass Gehälter nicht beliebig steigerbar sind und der größte Teil dem Finanzamt zufließt, ist der finanzielle Anreiz grundsätzlich fragwürdig – sofern ich mich, wie eingangs erwähnt – an meine Studienzeit erinnere.
Als „Leitender Angestellter“ und gleichzeitiges Mitglied einer Akademikergewerkschaft wurde ich mit dem Thema „Motivation“ bis zum Überdruss konfrontiert – sogar Seminare zur Motivationsförderung wurden in der Industrie geschaffen. Genützt haben diese Maßnahmen (nach meiner persönlichen Meinung) kaum etwas – frau/man „spürte die Absicht und war verstimmt“.
Nach der X und Y Theorie von Douglas Mc Gregor (1906-1964, Professor für Management am Massachusetts Institute of Technology, MIT und Mitbegründer des zeitgenössischen Managementgedankens) werden zwei typische Führungsbilder unterschieden:
Die X-Theorie:
Menschen sind entweder bestrebt, Arbeitsaufwand zu vermeiden, grundsätzlich träge und faul und erwarten Belohnung bzw. Bestrafung. Gegenmaßnahmen führen stets zu einem autoritären Führungsstil.
Die Y-Theorie:
Frau/man ist engagiert, interessiert, sucht Verantwortung, setzt sich Ziele, ist eigenmotiviert. Dieser Typ wird durch ein positives Erleben in der Tätigkeit selber motiviert. Spaß, Freude oder Interesse an der Tätigkeit stehen im Vordergrund und nicht die Belohnung für eine Handlung oder die Vermeidung von Strafe.
In meiner Firma wurde ab etwa 1975 von der X-Theorie zur Y-Theorie gewechselt – die Seminare hießen jetzt: „Kooperativer Führungsstil“. Die externen Seminarleiter wurden selbstverständlich sofort ausgewechselt, auch wenn sie gut waren – in der Industrie ist frau/man heute gut und buchstäblich morgen schon „ganz schlecht“.
Der kooperative Führungsstil hatte seine Vorteile – vor allem „es klang alles sehr gut“. In der Praxis liefen dann kooperativer und autoritärer Führungsstil parallel nebeneinander – die mittleren Führungsebenen gehorchten brav der Y-Theorie, während die oberen und obersten Führungsschichten sich den Seminaren gar nicht erst unterzogen und weiterhin autoritär regierten, wie das in der deutschen Industrie nun einmal seit 150 Jahren so üblich war. Allerdings wurde man als Akademiker in früheren Zeiten von den gleichfalls akademischen oberen Führungsgremien als Akademiker behandelt, was später in Vergessenheit geriet.
Dazu eine kleine Episode, die in der deutschen chemischen Industrie kursierte:
Ein frisch eingestellter BASF Chemiker (damals IG-Farben) traf in der Stadt Ludwigshafen um 8:30 seinen Chef Prof. Walter Reppe (1892-1969, ab 1938 Leiter des Hauptlaboratoriums und führender Acetylenchemiker). Reppe fragte den Chemiker: „Sollten Sie zu dieser Zeit nicht im Laboratorium sein?“. Die Antwort des Chemikers: „Ich dachte, Sie haben mein Gehirn und nicht meinen A…. gemietet. (Zu dieser Zeit gab es keine flexible Arbeitszeit, aber Akademiker konnten morgens etwas später ihren Arbeitsplatz aufsuchen – dafür blieben sie freiwillig oft bis 11 Uhr nachts). Heute??? Unmöglich – weder würde sich ein Akademiker trauen, eine derartige Antwort zu geben, noch hätte er irgend eine Zukunft in der vernetzten deutschen chemischen Industrie! Reppe hatte damals (sofern die Episode wahr ist) eine für einen Akademiker unwürdige Frage gestellt und er hatte die richtige Antwort erhalten. Noch etwas früher wären beide Burschenschaftler gewesen und dies hätte wiederum ganz andere Konsequenzen gehabt.
FACIT: Das Problem der Motivation ist in der freien Wirtschaft heute ungelöster denn je – auch akademische Führungskräfte können – wie alle anderen MitarbeiterInnen mit „bindenden“ Einstellungsverträgen jederzeit gekündigt werden, wobei heute der Unterschied zwischen akademischen und nicht akademischen Angestellten sowieso keine Rolle mehr spielt, weil es bei den meisten AkademikerInnen – im Gegensatz zu früher – keinerlei akademische Gesinnung mehr gibt, welche frau/man „seiner Magnifizenz“ dem Rektor – oft vertreten durch „seine Spectabilität“ (Dekan) für das ganze Leben durch einen Schwur hoch und heilig versprach.
Klingt alles etwas altmodisch – war aber nicht motivationsfeindlich.
(Alfred Rhomberg)
am 14.01.2010 17:06
(2) Kommentare zum Beitrag "Dieses leidige Motivationsthema…"
RE: Dieses leidige Motivationsthema…
ja, das Problem der Motivation ist in der freien Wirtschaft heute ungelöster denn je… und die Geschichte vom BASF Chemiker und seinem Chef W. Reppe wunderbar.
Der Zugang zu Motivation liegt tatsächlich auf einer Ebene, der mehr und mehr verschütt geht.
geschrieben von Karl Baumann am 14.01.2010 23:56
RE: Dieses leidige Motivationsthema…
ein beitrag, der offene und klare worte zu diesem “leidigen thema motivation” hat. hatte es vor der subprime-, wirtschafts- und finanzkrise so ausgesehen als würde sich das thema durch einen mangel an qualifizierten arbeitskräften in eine andere richtung verlagern, so wird es wohl angesichts von rekordhöhen der arbeitslosenzahlen, staatsschulden etc. jetzt wieder zu einem bestimmenden faktor menschlichen lebens werden – auch für y-anhängerInnen.
geschrieben von Petra Schleich am 16.01.2010 09:15
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Igler Reflexe - INHALT
ja, das Problem der Motivation ist in der freien Wirtschaft heute ungelöster denn je… und die Geschichte vom BASF Chemiker und seinem Chef W. Reppe wunderbar.
Der Zugang zu Motivation liegt tatsächlich auf einer Ebene, der mehr und mehr verschütt geht.
ein beitrag, der offene und klare worte zu diesem “leidigen thema motivation” hat. hatte es vor der subprime-, wirtschafts- und finanzkrise so ausgesehen als würde sich das thema durch einen mangel an qualifizierten arbeitskräften in eine andere richtung verlagern, so wird es wohl angesichts von rekordhöhen der arbeitslosenzahlen, staatsschulden etc. jetzt wieder zu einem bestimmenden faktor menschlichen lebens werden – auch für y-anhängerInnen.













