
Weblog von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Drahtseilakte – eine Zwischenbilanz
Bildquelle: Foto Alfred Rhomberg
Nach 100 Beiträgen der „Igler Reflexe“ ist ein Art „Zwischenbilanz“ erlaubt, wobei die Frage des „zwischen was?“ offen bleibt.
User/Innen die meine Seite besuchen, werden inzwischen festgestellt haben, dass meine Beiträge sowohl „ernste“ Themen, als auch Gedankenspielereien und oft ganz einfach auch „Blödeleien“ enthalten, die meist jedoch so formuliert werden, dass auch in diesen – für denjenigen, der zwischen den Zeilen lesen kann – halbwegs ernste Gedanken erkennbar sein sollten. Ich setze dabei voraus, dass derjenige, der die Kunst des „Zwischen-den-Zeilen-Lesens“ beherrscht, diese Gedanken erkennt und es steht ja jedem frei, sich direkt philosophischen Texten zuzuwenden. Ich möchte jedoch vor der Hoffnung warnen, dass Philosophie „lebensberatend“ ist . Sie kann helfen, Kritikfähigkeit zu schulen, letzte Wahrheiten sollte man nicht erwarten. Irgendwer hat geschrieben, dass Wissenschaft und ernste Philosophie nicht miteinander vereinbar sind – ich bezweifele das und fühle mich insofern darin bestätigt, dass es einige – allerdings berühmtere – Wissenschaftler gab, die a) Bücher schrieben und b) sich nicht scheuten, ihre philosophischen Gedanken skurril auszudrücken (u.a. Leó Szilárd, Physiker und Molekularbiologe, der bei der Entwicklung der Atombombe beteiligt war, sich aber später, wie viele andere Wissenschaftler, streng gegen diese Waffe wendete).
Als Chemiker habe ich, obwohl die Chemie eine ernstzunehmende, für viele recht abstrakte Wissenschaft ist, dem Spiel immer einen gewissen „Spielraum“ eingeräumt, indem ich neben mehreren parallel durchgeführten „ernsten“ Experimenten immer auch ein Experiment mitlaufen ließ, dass nach Lehrbuchwissen niemals Aussicht auf Erfolg gehabt hätte und das von meinen Mitarbeitern manchmal als „verrückt“ beurteilt wurde. Ich hätte dabei ja auch Erfolg haben können. Dass solche Experimente überwiegend keinen Erfolg hatten, gebe ich gerne zu – ich hätte (theoretisch) aber auch den Nobelpreis dafür bekommen können, dann wären diese Experimente plötzlich nicht mehr verrückt gewesen. Spiel gehört eben zu jeder Experimentalwissenschaft und es ist daher nicht abwegig, sich daneben auch als Hobby-Künstler zu betätigen, schon deswegen, weil Kunst keine Grenzen kennt, während der Naturwissenschaftler (durch die Eigenart der Natur) sehr schnell in seine Schranken verwiesen wird. Kunst kann daher ein wichtiges Korrektiv gegen diese unangenehmen Schranken der Natur bedeuten, ebenso wie die Angewohnheit, ernste Gedanken so zu verpacken, dass sie einen Teil ihres Ernstes verlieren, ohne dabei unernst zu sein. Die Zugriffszahlen auf Beiträge der „Igler Reflexe“ zeigen mir, dass viele UserInnen meine Intentionen verstehen, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.
Auch mein Blog „Gentechnik, Stammzellenforschung und innovative Pharmaforschung“ interessiert mehr Leser als ich anfänglich befürchtet hatte – weil das Thema „Gentechnik“ bekanntlich ein Reizwort ist. Ich kann den Lesern dieses Blogs versichern, dass es besonders schwierig ist, über etwas zu schreiben, bei dem man sich relativ gut auskennt. Ich hatte beruflich (durch verschiedene Aufgabenstellungen) immer wieder die Herausforderung, mich auch mit den neuesten Gebieten soweit vertraut zu machen, dass ich in interdisziplinären Gruppen von Mitarbeitern mein zuletzt wichtigstes Aufgabengebiet, an der Erarbeitung neuer Ansätze zur Pharmaforschung mitzuarbeiten, einigermaßen gerecht werden konnte. Wenn man sich also in einem abstrakten und schwierigen Gebiet etwas auskennt, ergeben sich leicht Fragen wie: „was interessiert einen kritischen Leser, der nicht vom Fach ist“, „welche Vorkenntnisse kann ich voraussetzen“ und „schreibe ich so, dass die ausgewählten Themen die wirklich interessanten Trends dieser zwischen Medizin, Molekularbiologie und Chemie verwobenen Wissensgebiete wiederspiegeln, ohne in Spekulationen zu verfallen“.
Beide Blogs, die „Igler Reflexe“ und der wissenschaftliche Blog bleiben auch in Zukunft immer Drahtseilakte.
(Alfred Rhomberg)
(2) Kommentare zum Beitrag "Drahtseilakte – eine Zwischenbilanz"
RE: Drahtseilakte – eine Zwischenbilanz
Ich glaube hier und jetzt Dank an Herrn Rhomberg richten zu dürfen, für seine zahlreichen interessanten philosophischen Texte, die mich eigentlich zu einem ziemlich regelmäßigen Leser der “Igler Reflexe” machen. Und mögen die Bolgs Drahtseilakte sein! Ohne die wird sich nie viel an dem Verständnis des “gemeinen” Volks an der Wissenschaft & Philosophie ändern! Nur Mut! (und das sag ich, der seinen Namen nicht wirklich Preis geben will, weil auch ich Gesellschaftlichen zwängen ausgeliefert bin und noch länger sein werde. Ich hoffe ich hab das bald überstanden)
geschrieben von iskarioth am 11.05.2008 14:26
RE: Drahtseilakte – eine Zwischenbilanz
100 Beiträge – 100 Stunden spannende, unterhaltsame, kritische, wissenschaftliche Drahtseilakte? In jedem Fall 100 Stunden: No Mainstream und Not more of the same , sondern more of the different! Zeit zu Bilanzieren? Nein, Zeit, zu würdigen
, dass sich jemand Zeit nimmt und die Mühe macht, das Andere zu zeigen und uns zum (Gedanken-)Spiel herauszufordern.
geschrieben von startblatt Redaktion am 11.05.2008 21:08
Igler Reflexe - INHALT
Ich glaube hier und jetzt Dank an Herrn Rhomberg richten zu dürfen, für seine zahlreichen interessanten philosophischen Texte, die mich eigentlich zu einem ziemlich regelmäßigen Leser der “Igler Reflexe” machen. Und mögen die Bolgs Drahtseilakte sein! Ohne die wird sich nie viel an dem Verständnis des “gemeinen” Volks an der Wissenschaft & Philosophie ändern! Nur Mut! (und das sag ich, der seinen Namen nicht wirklich Preis geben will, weil auch ich Gesellschaftlichen zwängen ausgeliefert bin und noch länger sein werde. Ich hoffe ich hab das bald überstanden)
100 Beiträge – 100 Stunden spannende, unterhaltsame, kritische, wissenschaftliche Drahtseilakte? In jedem Fall 100 Stunden: No Mainstream und Not more of the same , sondern more of the different! Zeit zu Bilanzieren? Nein, Zeit, zu würdigen , dass sich jemand Zeit nimmt und die Mühe macht, das Andere zu zeigen und uns zum (Gedanken-)Spiel herauszufordern.



