
Weblog von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Gedanken über "Gedachtes" - eine neue Art von "Existenzphilosophie"
Bildquelle: Computergrafik (Alfred Rhomberg)
Es ist leichter Gedanken über „Gedanken“ (siehe der kleine Beitrag vom 13.2.), als Gedanken über „Gedachtes“ zu formulieren, weil man hier schnell an die Grenzen unseres derzeitigen Wissens gelangt. Die moderne Hirnphysiologie und Neurologie haben in den letzten Jahrzehnten einen gewaltigen Zuwachs an Spezialwissen über die Funktionsweise und das Zusammenarbeiten der verschiedenen Hirnareale, sowie über die biochemische Vorgänge bei der Informationsverarbeitung innerhalb unseres Gehirns erfahren. Wie Information im Gehirn jedoch tatsächlich gespeichert wird, ist nach wie vor unbekannt. Es gibt hierzu verschiedene Theorien, wissenschaftlich belegt ist jedoch keine davon. Auch über Begriffe wie „sensorisches Gedächtnis“ (früher psychische Präsenzzeit) Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis weiß man nur, dass es diese gibt, die energetische und materielle Basis dieser Gedächtnisformen ist heute noch so unbekannt, wie zu meiner Studienzeit um 1960.
Tatsache ist: was unser Gehirn einmal gelernt hat, bleibt zumindest in winzigen Spuren lebenslang erhalten (ob man darauf zugreifen kann, ist eine andere Sache) – nur wie sind die Spuren von dem, über das man einmal nachgedacht und (vielleicht im Augenblick) vergessen hat verankert? Eines scheint sicher: nach dem Tode gehen wohl auch diese winzigen Spuren endgültig verloren. Aber muss das immer so bleiben? Was jetzt folgt ist Spekulation, aber Spekulationen haben sich in der Wissenschaft oft schneller bewahrheitet, als man dachte. Könnte es nicht möglich sein, die winzigen Spuren, die im Gedächtnis eingebrannt sind, dadurch zu reaktivieren, dass man sie – ähnlich wie DNA-Spuren außerhalb des Organismus vervielfältigt und wieder verwenden kann? Oder vielleicht lässt sich sogar all das was im Gehirngespeicher vorhanden ist, ja vielleicht einmal auf einer biologischen externen Festplatte (oder einem anderen externen Speichermedium) speichern? Ganz so abwegig sind solche Überlegungen nicht, schon gar nicht, wenn es gelänge, das Wesen der Informationsspeicherung aufzuklären – eine eigentlich längst überfällige Entdeckung!
Wie immer diese (vielleicht erschreckenden Aspekte) aussehen könnten, sie würden in jedem Fall die Grundfesten der Existenzphilosophie berühren.
Der vorsokratische Philosoph Parmenides (ca. 550 vor Chr.) hat den Satz geprägt: „Denken und Sein ist dasselbe“. Und weiter: was IST ist, was nicht IST, ist NICHT! Diese Sätze sind an Einfachheit und Logik nicht zu überbieten und ich habe mich immer gefragt, warum ich mich später mit den modernen Existenzphilosophen Sartre, Camus oder Heidegger so herumplagen musste. Wie aber, wenn die oben angedachten Möglichkeiten des Weiterbestehens von Gedachtem realisiert werden könnten, bliebe dann nicht auch unser SEIN erhalten? Mit dieser abstrusen Idee sichere ich mir jetzt schon einmal das Recht, Vordenker einer ganz neuen Existenzphilosophie zu sein. Zu gegebenem Zeitpunkt würde ich dann eine Existenzphilosophie mit neuen sehr schwierigen Formulierungen verfassen und andere müssten sie dann lesen und lernen. (Alfred Rhomberg)



