
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Guten Morgen
Bildquelle: A.Rhomberg
Wer freut sich nicht, wenn er morgens auf der Straße mit „guten Morgen“ angesprochen wird. Ich habe heute bereits zwei mir wenig bekannte Personen so angesprochen und wurde von drei mir ebenfalls wenig bekannten Personen so begrüßt. Ich muss zugeben, dass meine Freude über die mir entgegengebrachten Grüße nicht so groß war, wie sie ein schöner Morgen bieten könnte und auch die Freude der von mir angesprochenen war vermutlich ähnlich begrenzt. Immerhin, jemandem einen guten Morgen zu wünschen ist etwas Schönes – wenn es keine Floskel ist. Viel fragwürdiger ist der heute immer häufiger werdende Ritus, „Mahlzeit“ zu sagen, wenn man sich mit jemandem zu Tisch setzt. Wer würde daran zweifeln, dass es sich um eine Mahlzeit handelt, wenn die vollen Teller bereits auf dem Tisch stehen. Natürlich steckt hinter „Mahlzeit“ im Hintergrund der Satz „ich wünsche Ihnen eine gesegnete Mahlzeit“ – das sagt aber niemand mehr und so bleibt es bei der einfachen Feststellung „Mahlzeit“ – man könnte auch „hmmm“ sagen, falls die Mahlzeit gut aussieht. Früher sagte man: „ich wünsche Ihnen einen schönen Feierabend“, auch dieser Satz wird – besondere im Berufsleben – beim Verlassen des Raumes nach getaner Arbeit und je nach deutschsprachiger Region – mit der Kurzform „Feierabend“ abgekürzt und so undeutlich artikuliert, dass man das Wort kaum verstehen kann. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, warum sagt man beim Verlassen des Raumes nicht einfach „fff“ statt Feierabend? Gut, man könnte das vielleicht überhören, dann sagt man eben deutlich „fffffff“ Weniger als „Feierabend“ bedeutet dieses „fffffff“ auch nicht und eine Verwechslungsgefahr, die bei den heute üblichen Abkürzungen immer besteht, gibt es wegen der begleitenden Umstände kaum. Selbst bei der Abkürzung „BR“, für die es in der Internetsuchmaschine „Google“ mehr als 100 Millionen Eintragungen gibt, weiß jeder, dass es sich – je nach Umständen – um den „Bayrischen Rundfunk“ oder um die Abkürzung von Brasilien handelt. Wer also morgens einen Vorübergehenden mit „GM“ statt guten Morgen begrüßt, könnte sicher sein, dass der Vorübergehende darunter nicht „General Motors“ versteht.
Wichtige Anmerkung für Travellers:
In Deutschland sollte man statt „Grüß Gott“ nicht „GG“ sagen – es käme zu unvermeidbaren Fehlinterpretationen – dort versteht man unter dieser Abkürzung „Grundgesetz“.
(Alfred Rhomberg – aus der Prosareihe “realität und wirklichkeit”)
am 05.05.2008 15:15
