
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Kosmo-(logisches?) - ein Blick aus dem Fenster
Bildquelle: Blick aus dem Fenster, Computergrafik © Alfred Rhomberg
Glauben und Wissen scheinen unüberbrückbare Gegensätze zu sein, weshalb der Volksmund sagt: „glauben heißt nicht wissen“. Wenn wir einen Blick aus dem kleinen Fenster unserer Vorstellungswelt werfen, werden wir feststellen, dass „Glauben“ und „Wissen“ gar nicht so weit von einander entfernt sind. Für den Naturwissenschaftler ist Wissen im allgemeinen das gesamte Detailwissen, von dem er glaubt, dass es beliebig erweiterbar ist und das – in ferner Zukunft – zu einem umfassenden Gesamtwissen über unser Universum wird. Diese Denkweise entspringt dem „Positivismus“ des französischen Philosophen Auguste Compte (1798-1857) und ist eine Art humanistische Ersatzreligion, die nur das gelten lässt, was positiv beweisbar ist. Zugegeben – unser Detailwissen in allen Wissenschaften vermehrt sich rasend, wegen der uns vorgegeben Hirnstruktur ist jedoch zu bezweifeln, dass durch die Vermehrung von Wissensquantität „finales Wissen“ (die Philosophie spricht oft von letzter Wahrheit) überhaupt möglich ist. In der Astrophysik und Kosmologie haben wir uns in den letzten Jahren von diesem Ziel mehr entfernt, als sich ihm genähert. Bei kritischer Betrachtung haben wir bis heute nicht mehr Rätsel gelöst, als die vorsokratischen Philosophen vor ca. 2500 Jahren. Zwar scheinen wir zu wissen, dass der „Urknall“ vor ca. 14 Milliarden Jahren der Beginn unseres Universums bedeutete, wie er ausgelöst wurde und was davor war, wissen wir allerdings nicht. Wir wissen auch nicht, wieweit und wohin sich das Universum ausdehnt oder ob es vielleicht, wie der Astrophysiker Stephen Hawking annimmt, irgendwann wieder einmal schrumpft. Derzeit herrscht eher die Meinung vor, dass das Universum nicht schrumpft, sondern sich immer weiter (vielleicht unendlich) ausdehnt. Dann gäbe es ein neues Problem: wenn sich etwas (bei gleicher Masse) immer mehr – unendlich ausdehnt – müsste die interstellare Materie dadurch unendlich verdünnt werden (hört der Materiebegriff dann irgendwann einmal auf? – oder wird ständig neue Materie/Masse nachgebildet – woraus und wie? – Die Zahl der ungelösten Fragen nimmt ständig zu. Was außerhalb unseres Universums existiert (oder nicht existiert), ist unbekannt. Auch das Standardmodell der Teilchenphysik, die letztlich alles auf Teilchen ohne Ausdehnung (also Punkte mit der Dimension Null) zurückführt, wird derzeit angezweifelt und die „Stringtheorie-Theorie“ ins Spiel gebracht, nach der alles auf eindimensionalen vibrierenden Objekten beruht. Leider ist diese Theorie bis jetzt rein hypothetisch, sie hätte den Vorteil, dass sich durch dieses Modell vieles – darunter auch die bis jetzt nicht erklärbare Schwerkraft (Gravitation) erklären ließe. Beweise für dieses Modell gibt es noch nicht, man kann sich die Stringtheorie auch nicht „vorstellen“, allenfalls daran glauben oder mathematische Berechnungen mit 11-12 dimensionalen Räumen durchführen. Wir wissen nicht einmal, ob es „Zeit“ im kosmologischen Sinn überhaupt gibt. Wenn das Universum irgendwann wieder schrumpft (Stephen Hawking) könnte sich der „Zeitpfeil“ ja umdrehen, was den Zeitbegriff ad absurdum führen würde. Auch das Einstein’sche Raumzeit Modell wird immer noch kontrovers diskutiert.
Wir sind heute an einen Punkt des Nicht-Wissens angelangt, der dem „Glauben“ religiöser Glaubensgemeinschaften sehr ähnlich geworden ist – eine für Positivisten erschreckende Vorstellung.
