
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Landleben IV – Mistgabeln als Wertanlage
Bildquelle: Grafisch schön gestaltetes und preiswertes Kunststoffobjekt aus einen online-shop (c)Amesbichler - siehe Hinweis!
Antiquitätenjäger und Trödler streifen derzeit durch alpenländische Landschaften um Raritäten für ihr städtisches Publikum zu (derzeit noch) günstigen Preisen zu erwerben. Sie taten dies schon um 1950, als Zillertaler Bauern ihre Altmöbel unbedingt durch modernes Nierentisch-Design ersetzen wollten. Wer zu dieser Zeit bereit war. mit einem Leiterwagen alte Bauernschränke aus tirolischen Talschaften selbst abzuholen, gelangen Schnäppchenkäufe zum damaligen Preis von ÖS 150.- (ca. 11 Euro) für alte geschnitzte oder bemalte Bauernschränke und Truhen, die heute etwa das zweihundertfache wert sind. Man konnte zu dieser Zeit sogar echte gotische Bauerntruhen um ÖS 5000.- (364 Euro) – allerdings beim Antiquitätenhändler – erwerben, die heute zum hundertfachen Preis angeboten werden. Nun – diese Zeiten sind vorbei, aber es gäbe noch immer andere alte Gegenstände, deren Erwerb sich als sichere Geldanlage lohnen würde – z.B. Mistgabeln.
In vorangegangenen Beiträgen wurde auf das Landleben bzw. dessen Niedergang aufmerksam gemacht – wo die Landwirtschaft schrumpft, verringert sich auch das landwirtschaftliche Zubehör (Kühe und Schweine etc.), sodass u.a. auch Mistgabeln überflüssig geworden sind und billig erworben werden können – man muss nur zugreifen. Waren es früher alte Wagenräder, welche das Interieur von Privathäusern schmückten, gelten diese heute bereits als altmodisch – obwohl auch hier eine gewisse Wertsteigerung zu beobachten ist, weil es keinen Nachschub mehr dafür gibt und moderne Traktorallradreifen wenig Charme im gediegenen Wohnzimmer austrahlen. Eine über der Couchwand angebrachte Mistgabel ist auf jeden Fall reizvoller als die vollständig veralteten Hirschgeweihe (bei denen naturgemäß auch keine Wertsteigerung zu erwarten ist, weil es sich um nachhaltige, d.h. erneuerbare, nachwachsende Dekorgegenstände handelt). Es versteht sich von selbst, dass Mistgabeln vor der Anbringung als Dekorgegenstand gesäubert werden müssen, was bei solchen Gegenständen relativ einfach ist. Ein vom Autor 1963 erstandener Bauernschrank, strahlt dagegen beim Öffnen auch nach jahrzehntelanger Behandlung mit modernen Saubermachern immer noch ein zartes Kuhparfum aus, das an seine romantische Vergangenheit erinnert. Die Zartheit des Duftes stört jedoch ebenso wenig, wie der typische Geruch einer alten Meistergeige – Holz ist eben Holz.
Bei Mistgabeln spielt es bezüglich der Wertbeständigkeit keine Rolle, ob sie drei, vier oder fünf Zinken haben, ein oder zweizinkige sollten wegen ihrer Seltenheit allerdings vorgezogen werden. Bei hochzinkigen Geräten besteht immer der Verdacht, dass es sich um moderne arbeitssparende Pferdemistgabeln handelt, der Reitsport erfreut sich zwar zunehmender Beliebtheit, ist aber – wie alle Sportarten – kein landlebentypisches Ersatz für alte Traditionen – alle JüngerInnen dieser Sportart träumen mehr oder weniger von den Royal Ascot Pferderennen in der Grafschaft Berkshire.
Nun könnte man einwenden, dass Werkzeuge wie Mistgabeln oder Wagenräder in Ostländern noch lange im Gebrauch sein werden – gerade wegen des unverzichtbaren Gebrauchs als Arbeitsmittel sind diese Länder derzeit noch nicht bereit, solche Objekte an reiche Privatsammler zu verkaufen. Die im Niedergang begriffene Landschaft und alles was das Landleben in Tirol ausmacht, bieten daher echte Gelegenheitskäufe.
Anm.: Der Autor hätte in seinem Chemiestudium seinerzeit nicht daran gedacht, dass 1956 hochpräzise (wunderschöne) Analysenwagen, mit denen eine Wägung auf ein zehntausendstel Gramm ca. 30 Minuten brauchte, heute um ein Vielfaches mehr wert sind, als hochmoderne elektrische Wagen, bei denen eine Einmillionstelgramm-Wägung nur noch 20 Sekunden braucht. Diese Wunderwerke der Technik haben allerdings auch allenfalls den Charme von Waschmaschinen, Fernseh-DVB-T Konvertern oder Computermäusen.
Wichtiger Hinweis: Die im Blogbild dargestellte Pferdestall-Mistgabel mag ein grafisch hübsches und preiswertes Objekt aus Kunststoff sein, wie es heute in online-shops bestellt werden kann – für Liebhaber sind derartige Objekte als Wertanlage jedoch völlig ungeeignet.
P.S. Noch schnell ein mail:
Liebe MitarbeiterInnen, habe gerade wieder bei meinem Tirolbesuch einen stattlichen Posten schöner alter Mistgabeln für unsere Kundschaft akquiriert. Bitte machen Sie unsere geschätzten Kunden bei einer Vormerkung darauf aufmerksam, dass eine genau datierte C14-Isotopen-Analyse von einem der zuverlässigsten deutschen Labors ca. 4 bis 8 Monate dauert und die dafür anfallenden Kosten (falls eine Datierung erwünscht ist) selbstverständlich nicht im Kaufpreis enthalten sind. Grüße, Ihr A.
(Alfred Rhomberg)Verwandte Beiträge u.a. Landleben III – saisonbedingte Unterbeschäftigung von Kühen
am 24.11.2009 12:02










