
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Landleben XIII – "il Municipio" und die Zahl 13
Bildquelle: (c) Alfred Rhomberg
Michi, der Jungbauer hatte die Druckfahne von Beitrag XIII in den Händen (der Autor AR gebrauchte häufig altmodische Begriffe wie „Druckfahne“ – wohl in Erinnerung an seine eigene wissenschaftliche Publikationszeit). Immerhin war AR nach der einstweiligen Verfügung gegen Beitrag X zumindest bereit, Michi solche Druckfahnen, also Vorabzüge, welche man noch korrigieren konnte, zur Verfügung zu stellen. Heute kümmert sich kein Schwein bzw. kein Zeitschriftenverlag mehr um „Druckfahnen“ – selber schuld, wenn frau/man sich geirrt haben.
XIII – oh je, dachte sich der Jungbauer, denn er war abergläubisch wie alle Alpengeschöpfe, weshalb es ja noch immer die oft haarsträubenden Fasnachtsveranstaltungen gibt. Im Rheinland sind solche Veranstaltungen ein Teil der Lebensphilosophie (oder was man dafür hält), in Tirol legt man dagegen darauf Wert, dass dies der heiligen Tradition des Landes entspräche. Wie auch immer (oder „however“, wie es sich Michi als Bürgermeister zu sagen angewöhnt hatte, um seine Weltoffenheit als Bürgermeister zu demonstrieren) – Michi nahm die Zahl 13 sehr ernst, hatte er doch einen Beitrag von AR über Freitag den Dreizehnten gelesen. Nun ist nicht jeder Tag Freitag und heute ganz besonders nicht – trotzdem: 13 ist eine Unglückszahl, deswegen hatte er sich auch nicht 13 Pferde, sondern 15 angeschafft – eines zu viel, aber wer weiß schon, was 13 jährige Töchter mit Pferden anstellen, es könnte ja eines ausfallen und dann wären es wenigstens immer noch 14 Pferde.
Das Unglück begann gleich, als er den Stall betrat. Seine Lieblingsmilchkuh Milli sagte zu ihm (wer so lange mit Kühen umgeht, versteht deren Sprache): „Seit du Bürgermeister bist, kümmerst du dich fast gar nicht mehr um uns“ und Rosa die zweite Milchkuh meinte lakonisch: „Ja, ja die Pferde“. Auf die Rückfrage Michis, was sie an den Pferden störe, meinte Rosa: erstens ist Pferdemilch kaum genießbar und zweitens sind Pferde verkommene Subjekte, weil sie auf sich reiten lassen. Wer auf sich reiten lässt, hat sein Selbstwertgefühl verloren, Kühe würden nie auf sich reiten lassen und Stiere schon gar nicht. Michi könne das ja einmal ausprobieren und sich als Torero in Spanien anmelden (vermutlich hatte sie das mit den Rodeo-Reitsportturnieren in den USA verwechselt, sehr gebildet war Rosa ja nicht). Nun – die Kühe hatten recht, Michi glaubte jedoch, dass auch er recht habe – denn ohne die Pferde könnte er die beiden Milchkühe wegen der niedrigen Milchpreise gar nicht halten – sie würden sich sehr wundern, wenn sie sich plötzlich tiefgekühlt in den Regalen von Supermärkten wiederfänden. Aber Michi kam trotzdem in einen Gewissenszwiespalt.
Der nächste Tiefschlag traf ihn im Municipio, wie er seine Bürgermeisteramtsstelle wegen der vielen italienischen Touristen neuerdings nannte. Seine Sekretärin hatte ihm gekündigt. Grund: wenn er, Michi, das Projekt ihres Ehemanns, eine Kunsteisbahn im Sommer, nicht im Gemeinderat durchboxen könne, wäre ihre Arbeit sinnlos geworden, für „Waschlappen“ würde sie ihre kostbare Zeit nicht opfern. Michi dachte sich: „Blöde Kuh“ musste aber wohl für einige Tage seine Briefe selbst schreiben, denn Michis Frau, die Jungbäuerin war weder des Schreibens am Computer, noch des Schreibens insgesamt besonders kundig
Ein weiterer Tiefschlag folgte, als sich eine Dreizehnjährige beim Reiten durch ein ungeschicktes Herunterfallen vom Pferd eine große Zehe brach – die Eltern der Dreizehnjährigen waren empört und drohten mit Schadensersatzforderungen. Er würde 13-jährige Töchter in Zukunft nicht mehr als Urlaubsgäste akzeptieren, sondern seine Pferde nur noch 12-jährigen zur Verfügung stellen – die Mädchen sind heute ja sowieso frühreifer und dementsprechend sind auch ihre pseudoerotischen Gefühle für Pferde verfrüht. Immer diese verdammte Zahl 13 !
Das Maß wurde voll, als er zufällig bemerkte, dass sein heiliges „Municipio“ die Hausnummer 13 trug. Hier gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder das Municipio auf die andere Straßenseite mit geraden Hausnummerzahlen zu verlegen, oder aber die Zahl 13 durchzustreichen. Wo steht geschrieben, dass Bürgermeisterämter überhaupt nummeriert werden müssen – Hausnummern dienen doch nur zur leichteren Findung von Häusern, aber sein Amt müsste doch jeder auch ohne Hausnummer finden. Das Wort Municipio hatte Michi auch deswegen hinzugefügt, weil er sich deutlich von Kärnten mit seinem leidigen „Ortstafelstreit“ und den Antipathien gegen Slowenen, Ausländer und Abessinier (die es zwar nicht mehr gibt, wenn es sie noch gäbe, wären sie jedoch Ausländer und daher unerwünscht) distanzieren wollte.
Er hatte sich jetzt einen Espresso verdient und da er keine Sekretärin mehr hatte, schrieb er ein e-mail an das benachbarte Kaffeehaus:
Liebe Vroni,
bitte schicke mir doch einen Caf♪ ins Rathaus hinüber.
Grüaß Di, Michi
Wieso Caf♪ ? Er wollte doch einen Café – ach ja – er hatte statt der alt-130 Kombination, die alt-13 Kombination am Computer gedrückt und das ist eben ein ♪ (immer die Zahl 13). Michi bedauerte, dass man durch Benutzen der alt-Kombinationen nicht die Tiroler Landeshymne „In Mantua zu Banden… „ tongerecht schreiben konnte – ♪♪♪♪♪♪♪♪ etc. war melodisch zu langweilig, um dieser patriotischen Hymne gerecht zu werden.
(Alfred Rhomberg)s.a. Freitag der Dreizehnte und Landleben XII – moderne Zeiten
am 17.01.2010 00:37










