
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: PISA Studien
Bildquelle: WIKIPEDIA (Bildausschnitt)
PISA Studien
Der Name PISA ist die Abkürzung von OECD Programme for International Student Assessment und hat mit dem schiefen Turm von Pisa nichts zu tun – obwohl viele der ca. 665000 Einträge über die PISA Studien in der Suchmaschine Yahoo (was ihre Aussagekraft betrifft) ziemlich schief liegen.
Aus österreichischer Sicht lassen sich die zahllosen Meinungen zu den PISA Tests durch zwei Extremstandpunkte etwa so fokussieren:
A) Die SPÖ sieht in den PISA-Tests in erster Linie eine willkommene Unterstützung zur Einführung von Gesamtschulen
B) Nach dem österreichischen Philosophen Paul Liessmann messen die PISA-Tests in erster Linie die Kompetenz, PISA-Tests zu lösen.
Als Naturwissenschaftler mit philosophischer Ausbildung und Vater zweier Kinder, habe ich mich mit deutschen Schulexperimenten der 80 iger Jahre als Elternsprecher und Beirat mit dem deutschen „Bildungswesen“ intensiv beschäftigt und stimme eher der Meinung des österreichischen Philosophen Paul Liessmann zu, der die Aussagekraft der PISA-Studien bezweifelt („Die Presse“, 8.11.2007).
Meine Argumente gegen PISA:
Meine eigene österreichische Schulausbildung (1946-1954) möchte ich aus heutiger Sicht als überdurchschnittlich gut bezeichnen, trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich (oder meine Klassenkollegen) die PISA-Tests damals besser bestanden hätten als heutige österreichische Schüler.
Die PISA-Tests sagen nichts über Allgemeinbildung oder die Befähigung aus, sich im Berufsleben zu bewähren. Auch über die von der modernen Pädagogik als wichtig erkannte Bedeutung einer frühen musischen Erziehung zur Kreativitätsförderung (Zeichnen, Musik) sagen die PISA-Tests nichts aus. Kreativitätspotenzial ist aber eine wesentliche Voraussetzung für wissenschaftliche und wirtschaftliche Erfolge eines Landes.
Wie wir heute wissen haben viele deutsche, in der Vergangenheit oft politisch motivierte und zu hastig umgesetzte Schulexperimente eindeutig versagt. Darunter leiden im allgemeinen mindestens zwei Generationen.
Wie könnten internationale Tests aussehen, damit sie eine bessere Vergleichsbasis von Schulsystemen von Ländern wiedergeben und mehr darüber aussagen, wie fit Schüler wirklich sind, um spätere Herausforderungen an den Hochschulen und im Beruf zu meistern (anstatt nur die PISA-Tauglichkeit von Schulen zu verbessern)?
Die Studien müssten zwei Altersgruppen umfassen:
Die ersten Tests sollten an 10 jährigen Schülern mit dem Ziel vorgenommen werden, die Fähigkeiten des Schreibens, Lesens (in der eigenen Landessprache) und der Beherrschung von Grundrechnungsarten (Addieren, Subtrahieren etc. und Prozentrechnung) zu beurteilen. Wenn solche Tests zusätzlich nach muttersprachlichen Schülern und solchen mit Migrationshintergrund aufgeschlüsselt würden, wäre das eine hervorragende Grundaussage darüber, wie weiterbildende Schulen (gleich welcher Art) aussehen sollten bzw. was getan werden muss, um diesen Schulabschnitt zu verbessern.
Ein zweiter Test sollte Schüler kurz vor dem Beginn einer Hochschul- bzw. Berufsschulausbildung erfassen. Das Alter von 15-16 wurde bei den PISA-Studien vermutlich deswegen gewählt, weil sich in diesem Alter die recht unterschiedlichen Schulsysteme der einzelnen Länder (Gymnasien, Gesamtschulen, englische Grammar-Scools, französisches Lycée) noch einigermaßen überlappen.



