
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Seitenblicke
Bildquelle: Foto des Bildschirmlogos des ORF (A.Rhomberg)
Die österreichische Bevölkerung lässt sich ziemlich genau in vier Gruppen einteilen:
1.) Diejenigen, welche die täglichen Seitenblicke im ORF produzieren, 2) diejenigen die sich in dieser Sendung gratis (und manchmal sogar weniger gratis für einen guten Zweck) zur Verfügung stellen, um ihren Prominentenstatus durch meist dümmliche Antworten auf ebenso dümmliche Fragen mit viel Gelächter (ohne nachvollziehbaren Grund) herunterzuspielen, 3.) diejenigen die sich diese Sendung anschauen und 4.) diejenigen, die sich die Sendung bewusst nicht anschauen. Punkt 4 fällt deswegen etwas schwer, weil die Seitenblicke nach den Nachrichten und Sport vor dem wichtigsten Teil des Abends, „dem Hauptabendprogramm“ serviert werden und der ORF offenbar damit rechnet, dass viele ZuschauerInnen zu faul sind, wegen dieser fünf Minuten das Gerät abzuschalten. Beim „Hauptabendprogramm“ kann es sich dann gelegentlich um gute Film- oder Kultursendungen handeln, muss es aber nicht – bei „Seitenblicke“ handelt es sich ganz sicher nicht um Kultursendungen im engeren Sinn, sonst würden sie irgendwann kurz vor – oder kurz nach Mitternacht gesendet.
Früher waren die Seitenblicke streng auf die Wiener Gesellschaft ausgerichtet, heute kann es schon mal vorkommen, dass man im Zeichen der Globalisierung gelegentlich weiße Flecken der österreichischen Kulturlandschaft einbezieht, es ist ja wirklich auch interessant, dass es in absolut weißen Flecken von Kulturlandschaften wie Kitzbühl oder Ischgl („weiß“ im Sinne von Schnee und Wintersport) ebenfalls Prominente gibt, die wie in der Wiener Highsociety, die Kunst des Lachens ohne Pointe beherrschen.
Das Anliegen der Igler Reflexe ist aber nicht, österreichische Kultursendungen des ORF zu kritisieren, sondern die Frage zu stellen, warum Sendungen wie die Seitenblicke so beliebt sind. Auch hier lassen sich die Österreicher vermutlich in mehrere Gruppen unterteilen: 1.) weil man sich freut, nicht so zu sein wie jene „Zöllner“, 2.) weil man die Seitenblicke wirklich lustig findet, 3.) weil man die Prominenten beneidet und Neid grundsätzlich Neugier weckt, 4.) weil Prominente so sind wie „du und ich“, 5.) weil Prominente nicht so sind wie „du und ich“, 6.) irgend einen Grund muss es ja geben – aber welchen? Vielleicht deswegen, weil der Werbeblock zwischen Sportnachrichten und „Hauptabendprogramm“ sonst zu lang wäre. Ich traue dem ORF diese Einsicht zu.
(Alfred Rhomberg)
(1) Kommentare zum Beitrag "Seitenblicke"
RE: Seitenblicke
Da ich mich zum Punkt 4 bekenne, muss ich Einfügen, wie leicht es dann doch ist, Seitenblicke zu meiden: Das Hauptabendprogramm ist nämlich meist genauso Hirn- und Kulturlos, da setz ich mich lieber zum Computer, schlag die “Igler Reflexe” auf, und hab dann ehrlichen, nicht verzweifelnden, Grund zum Lachen…
lg. iskarioth
geschrieben von iskarioth am 17.05.2008 10:57
Igler Reflexe - INHALT
Da ich mich zum Punkt 4 bekenne, muss ich Einfügen, wie leicht es dann doch ist, Seitenblicke zu meiden: Das Hauptabendprogramm ist nämlich meist genauso Hirn- und Kulturlos, da setz ich mich lieber zum Computer, schlag die “Igler Reflexe” auf, und hab dann ehrlichen, nicht verzweifelnden, Grund zum Lachen… lg. iskarioth



