
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - SMS
Bildquelle: Alfred Rhomberg
Wer in einer Internetsuchmaschine vor 3 Jahren unter SMS suchte, hätte nur ca. 107 Millionen Eintragungen gefunden. Was sich hinter dem Wort verbirgt wäre für einen Unkundigen damals nur sehr schwierig zu erfahren gewesen, denn in den 107 Millionen Eintragungen fand man damals keine Erklärung des Wortes. Gut – ich hatte nicht alle 107 Millionen Eintragungen wirklich angeschaut, aber die ersten 100 geprüft und dann Stichproben in weiteren 1000 Eintragungen gemacht. Auch in einem normalen Lexikon würde man das Wort SMS sogar heute vielleicht noch nicht finden, dazu ist das Wort zu neu. In einer der zahlreichen Internet Sprachdatenbanken „deutsch-englisch“ bzw. „englisch-deutsch“ findet man, wenn man das Wort in deutsch einträgt die englische Übersetzung „SMS“. Logisch, das war ein Denkfehler, denn das Wort kommt wie fast alle technischen Abkürzungen ja aus dem Englischen. Also trägt man das Wort in das Englisch-Feld des Wörterbuches ein und erhält so die deutsche Übersetzung, nämlich „SMS“. Das Verb „sm’essen“, das spätestens seit der TV-Serie „Dancing Stars“ gebräuchlich wurde, findet man auch heute noch nicht in Google, allenfalls als Endung von Worten wie z.B. Information-smessen. SMS ist also eine Selbstverständlichkeit, die entweder genetisch angeboren oder sogar ein Axiom ist, eine grundlegende Aussage also, die nicht innerhalb ihres Systems begründet werden kann bzw. muss. Hoffentlich ist es kein Axiom, denn dann würden wir in unlösbare philosophisch-mathematische Debatten geraten, genetische Informationen sind dagegen teilweise schon entschlüsselt und es wird vielleicht nicht lange dauern, bis wir sie vollkommen kennen.
Was ein Buchstabe ausmacht! Würde man in die Google-Suchmaschine „SM“ eingeben so fände man heute ca. 190 Millionen Eintragungen, die aber bei weitem nicht alle das gleiche bedeuten, es gibt unzählige, ganz unterschiedliche Dinge, die mit SM abgekürzt werden: Das chemische Element Samarium, die Repubkik San Marino, aber auch das dänische Sozialministerium kürzt sich so ab. Man findet also nicht nur das, was man vielleicht erwartet hätte, nämlich Sado-Masochismus.
Auch wer „MS“, also die umgekehrte Buchstabenkombination in die Suchmaschine eingibt, erhält 560 Millionen Eintragungen, von denen die meisten Abkürzungen ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Die Großbank Morgan&Stanly, oder der Softwareriese Microsoft kürzen sich mit MS ab, für den Chemiker ist MS gleichbedeutend mit Massenspektrometrie und für den Mediziner – oder seine Patienten – mit Multipler Sklerose. Wenn wir schon bei den Krankheiten angekommen sind: wahrscheinlich kann man „SMS“ am ehesten als moderne pandemisch auftretende Volkskrankheit bezeichnen – dafür spricht auch, dass man heute in google ca. 500 Millionen Eintragungen (statt 107 Mio. vor 3 Jahren) findet – meist sogar mit korrekter Übersetzung! Und wer die modernen Möglichkeiten der Übertragung einer SMS vom Handy in eine Computer e-mail und umgekehrt vom Computer auf ein Handy berücksichtigt, wird auch die Ansteckungsgefahr dieser Volkskrankheit ernst nehmen. Vermutlich kann diese Seuche wohl nur durch die neue, ähnlich ansteckende MMS-Krankheit eingedämmt werden, bei der man Bilder von Handy zu Handy schicken kann und von der bereits 70 Prozent aller Jugendlichen unter 14 Jahren infiziert sind.
(aus der Prosareihe „realität und wirklichkeit“ – Alfred Rhomberg)
am 07.05.2008 17:18
