
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Synthese, Lyse und Analyse von Paarbeziehungen anhand von 99 Fällen.
Bildquelle: PC-Grafik A.Rhomberg mit Einschluss eines Szenenbildes aus "Die Liebenden" (Louis Malle, 1958) - www.arte.tv/de
Eine Frau und ein Mann beschlossen, sich zu lieben. Der erste Fehler des Paares war, dass es ein Beschluss war, weitere Fehler konnten daher nicht ausbleiben.
Fehler 2: Der nächste Fehler folgte schneller als gedacht – die Frau glaubte, dass Beschlüsse – besonders wenn sie vertraglich geregelt seien, länger halten.
Fehler 2a: Der Mann dachte ähnlich – gemeinsame Entschlüsse sind richtiger als einseitige oder gar keine (wobei nur das letztere fraglich ist – Fehler 2b)
Fehler 3: Beschlüsse und Entschlüsse klingen ähnlich und sind doch analytisch sehr verschieden. Der Beschluss ist eine gemeinsam erarbeitete Entscheidung, für den Entschluss gilt dagegen das Gedicht Nietzsches („Entschluss“):
Will weise sein,
weil’s mir gefällt
Und noch nach eignem Ruf.
Ich lobe Gott, weil Gott die Welt
So dumm als möglich schuf. . .
(Die Frau und der Mann hatten aus einem nicht mehr nachvollziehbaren Grund – zufällig, jedoch von einander unabhängig – in der Schule gefehlt, als dieses Gedicht analysiert wurde)
Vorläufiges Zwischenergebnis: zufällige, gemeinsame, jedoch eigentlich eher nur angedachte Gemeinsamkeiten sind noch kein Grund sich zu entschließen, einen gemeinsam erarbeiteten Entschluss zu beschließen.
Fehler 4, 5, 6 und 7 können ausgelassen werden – sie sind aus Redundanzgründen für die Aussagekraft der Analyse unerheblich.
Fehler 8: Der Mann oder die Frau (eigentlich beide) beschlossen, sich nicht mehr zu lieben. Ihre Wege trennten sich (durch einen Ent- und Beschluss).
Fehler 9: Beide begingen aufs neue den Fehler 1 (mit jeweils anderen Protagonisten) – die Fehler 2, 2a und 2b ließen sie diesmal aus, auf alle weiteren Fehler wollten oder konnten sie nicht verzichten – Fehler sind dazu da, um wiederholt zu werden.
Fehler 10: immer wieder mit Fehler 1 zu beginnen, statt einfach zu „lieben“ und dabei Lehrbuchmeinungen, Konventionen und Statistiken zu ignorieren.
Ergebnis der Analyse: Mann und Frau sind zwar für einander geschaffen, aber 60 – 99 Prozent schaffen es nicht, für einander geschaffen zu sein. 1 Paar musste aus statistischen Gründen aus den Betrachtungen eliminiert werden (zu hohe Streuung bei der linearen Regressionsanalyse – schade).
Anm.: Alle 99 Paare sind inzwischen verstorben, daher erübrigt sich die weitere Fehlersuche. Paar Nr. 100 lebt noch, mit einer einzigen Fallanalyse sollte man jedoch auf statistische Aussagen verzichten.
(Alfred Rhomberg)
