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19.11.2008
Über Ziele
Igler Reflexe (288 Beiträge online)
Igls ist ein Dorf ca. 300 Meter oberhalb von Innsbruck und seit 1942 als Stadtteil von Innsbruck eingemeindet. Trotz seines Bekanntheitsgrades als Wintersportort und der 1964/ 1976 für die Winterolympiaden erbauten Kunsteis-Bob- und Rodelbahn mit regelmäßigen internationalen Rennen, ist Igls ein eher ruhiger, angenehmer Stadtteil – ohne laute events. Bei meinen Mittelgebirgswanderungen verarbeite ich die positiven und negativen Nachrichten der Welt zu kleinen Sentenzen (Gedankenlyrik), etwas umfangreicheren Essays und Wirtschaftsartikeln, die ich als freischaffender Publizist und Künstler publiziere. In loser Folge werde ich unter dem Titel IGLER REFLEXE Gedanken, Gedankenlyrik und etwas umfangreichere Essays hier veröffentlichen.

eZine von Alfred Rhomberg

Igler Reflexe - Über Ziele

Kommentare: 2
Igler Reflexe - Über Ziele - Computergrafik ©Alfred Rhomberg - über den Sinn des Bildes gibt die Anmerkung am Ende des Beitrags Auskunft
Bildquelle: Computergrafik ©Alfred Rhomberg - über den Sinn des Bildes gibt die Anmerkung am Ende des Beitrags Auskunft

„Ein Ziel ist eine normative Aussage eines Entscheidungsträgers über einen zukünftigen Zustand der durch eigenes aktives Handeln beeinflusst werden kann“.

Mit dieser (nicht von mir stammenden) Aussage, war ich während meiner beruflichen Tätigkeit nie zufrieden. Ich hatte mich den Formalien, die in manchen Firmen von ihren Mitarbeitern durch MBO eingefordert werden, gefügt (MBO = Management by Objectivs, d.h. das „Führen“ mit Zielen) und versucht, die 20 – 22,5 Prozent Vorteile die dieser Führungsstil für mich in sich barg für meine Firma und für meine Abteilungen nutzbringend anzuwenden – ich konnte ja nicht sagen: mit mir nicht! (außerdem klingt dieses Managementkonzept ja nicht so schlecht, wenn es von einem externen Consulting-Institut für ein stattliches Honorar angeboten und diktiert wird).

Zum Verständnis: Ab einer bestimmten Hierarchieebene definiert jeder Mitarbeiter am Anfang eines Jahres für sich ca. 10-12 Ziele, die er während dieses Jahres erreichen möchte/soll, wobei sich etwa 40 Prozent der Ziele mit denjenigen seiner Vorgesetzten decken müssen. Um den Prozess nicht allzu nebulös werden zu lassen, wird a) ein Zeitraum (Monate) und b) schon vor der Erreichung eines Zieles die grammatikalische Satzform „ Ziel X1 ist erreicht (III), oder Ziel X3: (V) ist erreicht“ verwendet, wobei die römischen Ziffern den Kalendermonat angeben, in welchem die Ziele XY erreicht werden sollen.

Dass ich mit „MBO“ nicht sonderlich zufrieden war, hatte mehrere Gründe: 1.) war mir klar, dass man auf diese Art und Weise zwar den Umsatz von Staubsaugern, nicht aber wissenschaftliche Ziele fördern kann. 2). um zu wissen, wie weit sich seine eigenen Ziele mit denjenigen der Vorgesetzen deckten, musste man diese erst kennen und es stellte sich bald heraus, dass je höher die Hierarchieebene – insbesondere in der Geschäftsführung – die Ziele erst etwa Ende Januar, Anfang Februar und zudem in besonders „schwammiger“ Form anlässlich einer Führungskräfteversammlung vorgestellt wurden, 3). dass sich Forschungsziele nicht analog von Marketingzielen definieren lassen – dies äußerste sich dann am Ende eines jeden Jahres in der (auch für das eigene Gehalt wichtigen) Beurteilung durch den nächsthöheren Vorgesetzen in dem Satz: „Der Funktionsinhaber (damit war z.B. ich gemeint), konnte aus Gründen, die er/(ich) nicht selbst zu verantworten hatte, das Ziel (VII) nicht erreichen“.

Natürlich konnte ich das Ziel VII nicht „erreichen“, weil ich das chemische Molekül A nicht zwingen konnte mit dem chemischen Molekül B in gewünschter Weise zu reagieren. Zugegebenermaßen sollte mit diesem Führungsstil auch erreicht werden, dass man die Ziele ständig mit seinen Mitarbeitern besprach und notfalls die Frage stellen sollte, warum sie bei einem bestimmten Ziel nicht weiterkämen und ob ich ihnen dabei helfen könne (nach dem Stil von Telefonagenturen: „Guten Tag, meine Name ist…wie kann ich Ihnen helfen?“).

Irritierend bei der Anwendung von MBO war für mich auch, dass ich ohne Zielvorgaben, etwa 30 Jahre lang meine wissenschaftlichen Ziele oft in eine ganz andere Richtung immer sehr schnell und ohne von oben diktierte Zielvorgaben erreicht hatte – dies führte schon während meiner Doktorarbeit zu einer ursprünglich nicht vorgesehenen, dafür aber um so interessanteren thematischen Ausrichtung. Diese freie Gestaltung, bei der ursprünglich zwar immer ein gewisses Ziel angestrebt wurde, hatte sich auch in meiner Berufszeit gut bewährt, wobei ich mir diese Gestaltungsfreiheit in einer deutschen Firma nur durch die Selbstverständlichkeit erkämpfen konnte, die ich durch meine Dissertation und anschließend in einem holländisch-britischen Großkonzern (in dem diese Art zu arbeiten selbstverständlich war) offenbar erfolgreich antrainiert hatte.

Quintessenz dieses Beitrages

Es gibt sehr unterschiedliche Ziele. Die Vorgabe 30 Prozent mehr Umsatz zu erwirtschaften, ist unter Umständen leichter zu erreichen, als bei einer Olympiade im Hundertmeterlauf Olympiasieger zu werden. Wissenschaftliche Ziele können schwieriger zu erfüllen sein, als Sieger im Hundertmeterlauf zu werden oder ethische bzw. moralische Ziele durchzusetzen.

Warum? Im Hundertmeterlauf zu siegen hängt von meiner persönlichen Konstitution und meinem Training ab, um moralische oder ethische Ziele auf breiterer Basis (als der eigenen Vorstellung) durchzusetzen, muss man sehr viele Menschen – unter Umständen die ganze Welt – überzeugen, und wissenschaftliche Ziele lassen sich nur erreichen, wenn man die Zielsetzung sehr niedrig ansetzt oder lernt, dass ganz bestimmte Ziele vermutlich nicht so einfach erreichbar sind und man nicht gleich die „Stringtheorien“ beweisen sollte. Am liebsten habe ich die philosophischen Ziele, die man selbst biegen und wenden kann.

Dieser Beitrag soll nicht abgeschlossen werden, ohne eine leichtsinnig von mir formulierte Gedankensentenz anzufügen:

Ziel

Viele Wege führen zum Ziel

Was ist das Ziel?

Was der Weg?

Wer das Ziel erreicht hat, kennt den Weg.

Wer den Weg nicht kennt, erreicht ein anderes Ziel

Was ist eigentlich ein anderes Ziel?

Ist ein anderes Ziel kein Ziel?

Wer bestimmt das Ziel?

Der Weg! – (hoffentlich ist das kein logischer Fehler)

--

Anmerkung zum Blogbild: Bei diesem Bild hatte ich bei der Fotografie einer Feuerlilie durchaus bereits eine dem Bild recht nahestehende Gestaltungsvorstellung – und dann wurde durch einen etwas veränderten Weg und eine etwas geänderte Zielvorstellung ein anderes Endergebnis erreicht, bei dem vermutlich nur ich den Ausgangspunkt der Feuerlilie erkenne. So ähnlich habe ich auch wissenschaftlich gearbeitet und wurde trotzdem nicht fristlos gekündigt.

(Alfred Rhomberg)

(2) Kommentare zum Beitrag "Über Ziele"

RE: Über Ziele

“Der Weg Ist das Ziel” hat sicher seine (wenn auch nicht wirklich logische) Richtigkeit. Einmal kam der Gedanke zu mir (ich weiß nicht mehr woher) dass man sich ohne Ziel nicht verirren kann. Seitdem versuche ich einen gewissen (unmöglichen) Abstand zu halten. Mich nervt die ständige Frage nach meinen Zielen. Brauche ich denn welche? Darf ich mich denn nicht überraschen lassen? Es scheint gleich naiv zu sein, ob man jetzt Ziele hat oder nicht. lg, iskarioth

RE: Über Ziele

Geschätzter Iskarioth, ich gebe Ihnen völlig recht, sowohl mit meinem Text, als auch in der kurzen Gedankensentenz, wollte ich aber eigentlich verdeutlichen, dass ich den so oft gehörten Satz „Der Weg ist das Ziel“ nie sonderlich geschätzt hatte. Tatsächlich braucht man wohl zunächst ein Ziel (als Impuls), um etwas zu beginnen, danach muss man jedoch in der Lage sein, das anfangs definierte Ziel zu verlassen, sofern man „auf dem Weg“ feststellt, dass das Ziel es entweder nicht wert ist weiter verfolgt zu werden, oder dass es „bessere „Ziele“ gibt. Darin besteht, wie ich meine, die Kreativität eines Menschen (in der Kunst wie in der Wissenschaft). Zu fest gesteckte Ziele hemmen jegliche Kreativität, weil sie stets einengend wirken. Klassisches Beispiel der Alchemie: Wer nach Gold sucht und die Entdeckung des Porzellans nicht erkennt, wäre kein kreativer Wissenschaftler. Mit dem sich „Überraschen“ lassen ist das so eine Sache – zumindest in der Chemie durfte man nicht auf eine Überraschung warten, wenn man nicht anfangs ein Reagenzglas in die Hand genommen hatte. Ig. Alfred Rhomberg


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(30.09.2008) Die Welt schwelgt in einem Katastophenszenario....aber man sollte die Chancen dabei nicht vergessen!
(29.09.2008) Bruno, der Eichhörnchenbär
(28.09.2008) Kreativität ist ein synergetischer Prozess zu dem auch „Handwerk“ gehört
(26.09.2008) Inständige Bitte an Meteorologen, auf den Herbst besser aufzupassen
(25.09.2008) Eine (fast) unpolitische Begegnung zwischen Materie und Antimaterie
(24.09.2008) Die Wahl der Qual – oder die Kunst auf dem Wasser zu schreiten
(24.09.2008) ASDF - oder war es nicht doch ADSL?
(23.09.2008) vielleicht .....
(23.09.2008) 347 leere Seiten
(18.09.2008) Befindlichkeiten I und II
(17.09.2008) Das Hinterfragen einer modernen Beziehung
(16.09.2008) Versuche mit Wühlmäusen
(15.09.2008) Gähnende Leere – oder das politische Deduktionstheorem
(15.09.2008) Die Hinterfragung von schwarzen Blättern
(15.09.2008) 684 Promille Alkohol
(14.09.2008) Das Hinterfragen eines leeren Blattes
(13.09.2008) Regietheater - oder die Gefahr, Goethe als Autor abzuschaffen
(11.09.2008) Ground Zero - 11.9.2001
(08.09.2008) Metamorphose von Objekt zu Subjekt und retour
(08.09.2008) Strategien und Taktik
(06.09.2008) Weihnachtsvorkehrungen
(04.09.2008) Am Rande eines kreativen Omniversums
(02.09.2008) Das Symposeon
(01.09.2008) Herbstblätter
(30.08.2008) Die herbeigeredete Rezession
nach historischer Entwicklung
(18.11.2008) Gebrauchttum
(17.11.2008) Wäre eine "Krisenkrise" auszuhalten?
(14.11.2008) In Memoriam Bruno – Der Bär als Apokalypsenmaler
(12.11.2008) Unter der dunklen Fichte
(11.11.2008) zuhause
(11.11.2008) In Memoriam Bruno – reiche Bären
(10.11.2008) Rundwanderungswege
(08.11.2008) irgendwann...
(08.11.2008) Kryptische Gedanken beim Malen eines schlechten Bildes
(07.11.2008) Die USA - Stilfragen und mentale Unterschiede
(04.11.2008) Das Märchen vom reichen Banker...
(04.11.2008) A E I O U – Achieving Excellence in Our University
(02.11.2008) Beziehungskrisen
(01.11.2008) Der Tag der Seelen
(30.10.2008) Meinungsfreiheit
(30.10.2008) In Memoriam Bruno - Unvollendete Sonate mit skordierter Violine
(29.10.2008) In Memoriam Bruno – Auch Bären können die Schule satt haben
(28.10.2008) Törggelen
(27.10.2008) Die Krise und warum sie nicht mit 1929 verglichen werden darf
(26.10.2008) Gedanken mit offenem Ausgang
(24.10.2008) In Memoriam Bruno – Die Bergrettung
(24.10.2008) Der nächste Zug
(23.10.2008) Erinnerung an Gartenblumen
(22.10.2008) Neues über Tiroler Bergschafe – es gibt sie!
(22.10.2008) Wenn Bankmanager sich schämen bzw. nicht schämen
(21.10.2008) es ist besser...
(20.10.2008) Das Hinterfragen einer modernen Beziehung
(20.10.2008) Der Bär und sein Computerfreund
(18.10.2008) Gefallenes
(18.10.2008) Der ganz normale Alltag
(18.10.2008) Carpe Diem
(16.10.2008) Alles ist so wie früher – nur anders
(15.10.2008) wenn....
(13.10.2008) Greifvögel
(13.10.2008) Geldumlauf - eine neue noch nicht funktionierende Geldtheorie
(12.10.2008) Vernissage
(11.10.2008) Unsere Gesellschaft ist krank – das „borderline“ Syndrom zwischen Schweinebraten und Börsenpanik
(10.10.2008) doremifasolasido – was nicht in den Noten steht (III)
(08.10.2008) Sind Anleihen in der heutigen Situation ein sinnvoller Ausweg?
(08.10.2008) Paradoxon
(08.10.2008) Die leidigen Zinsen...
(07.10.2008) Wieviel mal am Tag sind österreichische Sparbücher sicher?
(07.10.2008) Das Geheimnis
(06.10.2008) Sollten Spitzenmanager bei Firmenpleiten mit ihrem Privatvermögen haften?
(05.10.2008) Winter I und II
(04.10.2008) Geld - second hand
(04.10.2008) Rennfahrer unter sich
(04.10.2008) Monopoly - neue Entwicklungen der Globalisierung
(02.10.2008) Anbetung, gnadenlos und Zweifel – Architektur
(01.10.2008) Mens sana in corpore sano?
(30.09.2008) Die Welt schwelgt in einem Katastophenszenario....aber man sollte die Chancen dabei nicht vergessen!
(29.09.2008) Bruno, der Eichhörnchenbär
(28.09.2008) Kreativität ist ein synergetischer Prozess zu dem auch „Handwerk“ gehört
(26.09.2008) Inständige Bitte an Meteorologen, auf den Herbst besser aufzupassen
(25.09.2008) Eine (fast) unpolitische Begegnung zwischen Materie und Antimaterie
(24.09.2008) Die Wahl der Qual – oder die Kunst auf dem Wasser zu schreiten
(24.09.2008) ASDF - oder war es nicht doch ADSL?
(23.09.2008) vielleicht .....
(23.09.2008) 347 leere Seiten
(18.09.2008) Befindlichkeiten I und II
(17.09.2008) Das Hinterfragen einer modernen Beziehung
(16.09.2008) Versuche mit Wühlmäusen
(15.09.2008) Gähnende Leere – oder das politische Deduktionstheorem
(15.09.2008) Die Hinterfragung von schwarzen Blättern
(15.09.2008) 684 Promille Alkohol
(14.09.2008) Das Hinterfragen eines leeren Blattes
(13.09.2008) Regietheater - oder die Gefahr, Goethe als Autor abzuschaffen
(12.09.2008) Wissenswertes über das Tiroler Bergschaf
(11.09.2008) Ground Zero - 11.9.2001
(10.09.2008) KUNA – Kurznachrichten
(08.09.2008) Metamorphose von Objekt zu Subjekt und retour
(08.09.2008) Strategien und Taktik
(06.09.2008) Weihnachtsvorkehrungen
(04.09.2008) Am Rande eines kreativen Omniversums
(02.09.2008) Das Symposeon
(01.09.2008) Herbstblätter
(30.08.2008) Die herbeigeredete Rezession
(28.08.2008) Horizont
(26.08.2008) Ungebildete Kängurus
(24.08.2008) Schlechte Kandidaten werden von guten Bürgern gewählt, die nicht zur Wahl gehen!
(23.08.2008)