
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Vernehmlassung an einer eidgenössischen Amtsstelle, Anzuhörender: A. R.
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Der Anzuhörende gibt an, sich in der Schweiz nur zufällig bzw. besuchsweise, wie er es ausdrückte, zu befinden.
Zu seiner Person befragt sagte der Anzuhörende nur, er „sei“ (?), weiters, „er sei dies im Sinne der Existenzphilosophie“ – wie er sich ausdrückte. (Anmerkung des Protokollierenden: da es sich hierbei offenbar nicht um eine terroristische Gruppe handelt, wurde während der Befragung nicht weiter darauf eingegangen, es wurden in der Folge der Vernehmlassung lediglich Fragen zu seinem Vorleben gestellt). A.R. gab zu Protokoll, er sei als Bub – wie er sich ausdrückte – zwar Pfadfinder, bis heute jedoch nie Mitglied einer Partei gewesen.
Der Anzuhörende gab an,
dass seine Welt aus Atomen (vorwiegend C,H,O,N, Cl und etwas Phosphor) und den daraus zusammenfantasierten Molekülen bestanden habe, die sich oft nur unwillig in Patente eingefügt haben sollen, von denen auch nur seine Firma etwas gehabt hätte und welche ihm lediglich die Ehre und Mühe überlassen habe.
Der Anzuhörende gibt ferner an,
seine Welt habe aus Bildern, Musik, Lötkolben, elektronischen Geräten und irgendwelchen „circuits“ bestanden (was er nicht näher beschreiben wollte)
seine Welt bestünde aus Literatur (echter und solcher die man als Fachliteratur bezeichne), seine Welt bestünde ferner aus bits und bytes und all dem was, wie er angibt, man daraus schaffen könne,
seine Welt bestünde aus Papier und dem, was sich auf diesem unschuldigem Material hätte schreiben lassen, sowie aus lexikalischem Wissen, das er hierzu gelegentlich herangezogen habe.
In letzterem Zusammenhang gab er ferner zu, gelegentlich die „Seitenblicke“ in ORF 2 gesehen und auch dreimal Ö3 gehört zu haben. Zu seiner Entschuldigung fügt er an, die NZZ (Neue Zürcher Zeitung) zu lesen und SF1 gelegentlich anzuschauen. Zu letzterem habe er sich eigens ein Wörterbuch angeschafft.
er gibt an, freischaffender Publizist, Künstler und startblatt-Redakteur zu sein (was er allerdings während der Vernehmlassung nicht beweisen konnte),
er habe in seiner Jugend (als Bub, wie er sich ausdrückte) Segelflugzeuge gebaut und ansonsten nichts mit Fluggeräten oder gar Waffen zu tun gehabt,
er habe – aus Interesse am Mittelalter – einige Jahre mittelalterliche Pfennige im Sinne der Numismatik gesammelt, was jedoch nicht im Sinne eines Devisenvergehens strafbar gewesen wäre, er habe schließlich auch mit der Blockflöte u.a. das mittelalterliche, gleichfalls nicht strafrelevante Lied „Elslein, liebes Elslein mein…“ gespielt,
seine Welt bestünde – last but not least (wie er sich wörtlich ausdrückte) – aus seiner Familie (Ehefrau, zwei Nachfahren, sowie deren Nachfahrinnen), die er auch heute noch liebe und auf die er sich stets verlassen könne.
Zu seiner Rechtfertigung gibt er ferner an, dass er häufig das Wort „bestand“ – in der hauptsächlich in Österreich verwendeten Form der Mitvergangenheit (zu deutsch Präteritum) gebrauche. Gelegentlich verwendete der Anzuhörende (vermutlich mit der Hoffnung auf Strafentlastung) statt des Wortes „bestand“ die Präsensform „besteht“ oder sogar das Futurum (besonders gegen Ende der Vernehmlassung).
Der Anzuhörende bittet schließlich, in der Zukunft auf Lötkolben, circuits, Patenttätigkeiten und einige andere Nebensächlichkeiten verzichten zu dürfen, auf alle anderen geschilderten Tätigkeiten könne und wolle er aus nicht eindeutig begründeten Vorwänden keinesfalls verzichten.
Er macht sich damit strafbar und muss mit einer längeren Freiheitsstrafe bei Wasser und Käsefondu rechnen.
Anm.: Als mildernde Umstände wird von der Amtsstelle die Aussage des Angehörten protokolliert, dass der Genannte die Schweiz liebe und sofern es ihm nach seiner Vernehmlassung noch möglich wäre, und der Schweizer Franken in Zukunft nicht allzu hoch weitersteige, dieses „schöne Land“, wie er es ausdrückte, gerne wieder besuchen wolle.
Gezeichnet vom Leiter der Vernehmlassungsstelle, Magistralkantonsamtsrat Dr. phil. A. R. am 24.5.2008, des Angehörten A.R. und Gegenzeichnung des beeideten Dolmetschers (A.R.)
(Igler Reflexe)
am 24.05.2008 12:35
(1) Kommentare zum Beitrag "Vernehmlassung an einer eidgenössischen Amtsstelle, Anzuhörender: A. R."
RE: Vernehmlassung an einer eidgenössischen Amtsstelle, Anzuhörender: A. R.
Meister Rhomberg!
Ich will Ihnen zu diesem äußerst gelungenen witzigen Artikel gratulieren, interessanter (oder gar verständlicher) Weise finde ich mich selbst vor allem anfangs wieder.
lg, iskarioth
geschrieben von iskarioth am 28.05.2008 20:54
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Meister Rhomberg! Ich will Ihnen zu diesem äußerst gelungenen witzigen Artikel gratulieren, interessanter (oder gar verständlicher) Weise finde ich mich selbst vor allem anfangs wieder. lg, iskarioth
