
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Virtueller Schwachsinn - freigegeben ab 16 Jahren!
Bildquelle: eine schöne, reale Welt (Alfred Rhomberg)
Ein Gespräch heute im Autobus nach Igls: ein ca. 8 jähriger Schüler sagt zu einem jüngeren: Du darfst mich nicht töten – weil du mein Bruder bist! Antwort des kleineren: doch – weil ich der Mächtigere bin. Gegenargument: Trotzdem nicht, bei echten Brüdern gilt die Regel des Mächtigeren nicht! Es ging also offenbar um ein Computerspiel, bei dem man diejenigen, die keine Brüder sind, anscheinend töten darf, wenn sie nicht mächtiger sind1?
Ein anderes Beispiel: Chaos League – Sudden Death: (dazu die Beschreibung eines angesehenen Versandhauses):
„Gewaltig erweiterte Ausgabe vom schlagkräftigen Strategie-Game Chaos League. Mürrisch und gnadenlos kehren sie zurück: Die Mannschaften aus Orks, Dunkelelfen, Zwergen und anderen krawallbereiten Kreaturen. In schweißtreibenden Strategie-Scharmützeln stehen die Kontrahenten mit vielen neuen Features wieder auf dem Sportplatz, um ihre Rauferei fortzusetzen. Zunächst die erste Regel der Chaos League: Es gibt keine Regeln. Damit wäre umfassend das Prinzip der an American Football angelehnten Sportart erklärt. Und diese befolgen die Mannschaften mit voller Gewalt: Ob Magie, Doping oder Korruption – jedes Mittel ist recht, um mehr Tore als seine Gegner reinzuknüppeln. Im Single- oder Multiplayer kämpfen Athleten um jeden Punkt ohne Rücksicht auf Verluste…“ Altersfreigabe: Freigegeben ab 16 Jahren
Wie gefährlich sind Computerspiele? Vermutlich kommt es bei einigen Spielen – wie bei Arzneimitteln – auf die Dosis an. Diese ist aber bei keinem PC-Spiel angegeben. Bei Chaos League – Sudden Death ist vermutlich auch schon die kleinste Dosis schädlich. Dazu zwei Fragen: 1. Wer kontrolliert das Alter derjenigen, die dann tatsächlich damit spielen und 2. warum brauchen über 16-jährige solche Spiele überhaupt?
Aus der Hirnforschung wissen wir, dass der Mensch in jedem Alter lernen kann, weil die dazu notwendigen Synapsen und Quervernetzungen auch im Alter (außer beim Alzheimer-Patienten) gebildet werden. Das Hirn ist zudem ein „sich selbst organisierendes“ Organ, das nach teilweise vorgegebenen, aber auch nach vom „input“ ausgeformten Regeln funktioniert. Die Psychologie lehrt, dass man sich mit fast allem „identifizieren“ kann, wenn man einem Einfluss in besonders starkem Maße ausgesetzt ist – auch mit der Irrealität! Das hat nichts mit „Prägungen“ der Kindheit zu tun, die bekanntlich irreversibel sind. In der späteren Jugend sind Lernvorgänge ausschlaggebend, bei denen es wesentlich davon abhängt, wann, wie lange und in welcher Form man diesen ausgesetzt ist (also dosisabhängig).
Bei Spielzeug für Kleinkinder haben es die USA und die EU inzwischen so weit gebracht, dass das Spielzeug keine giftigen Farben enthalten darf. Bei Computerspielen geht das offenbar nicht, schon deswegen nicht, weil es keine „Langzeitstudien“ wie bei Arzneimitteln gibt. Wir werden daher vermutlich schon in wenigen Jahren, viele körperlich gesunde – weil vor giftigem Spielzeug geschützte, jedoch zu einem beträchtlichen Anteil durch Computerspiele geistig geschädigte Jugendliche haben (aus denen dann wahrscheinlich geschädigte Erwachsene werden.
1 Was waren das für gute alte Zeiten mit Tolkiens Romanen oder Harry Potter, wo das Edle ohne Doping und Korruption siegt.



