
eZine von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe - Wahlarithmetik
Bildquelle: Alfred Rhomberg
Wahlen – das Problem mit dem arithmetischen Mittel und dem Mediandurchschnitt.
Zum Verständnis: Wenn von zehn Menschen neun nur 1500 Euro pro Monat verdienen und ein einziger 100.000 Euro, so wäre das arithmetische Mittel – also der Durchschnittsverdienst 11350 Euro. Beim Mediandurchschnitt betrüge der Median-Durchschnittsverdienst dagegen nur unwesentlich mehr als 1500 Euro, weil die Mehrzahl der Fälle eben wenig verdient und 100000 Euro statistisch ein „Außenseiter“ ist, der beim Mediandurchschnitt mathematisch dementsprechend geringer erfasst wird.
In der Politik wenden sich die Wahlkandidaten in ihrer Wahlpropaganda daher häufig an die „Medianwählerschaft“, weil sie damit die breite Masse ansprechen und dies eine Stimmenmaximierung bedeutet. Einige versuchen es immer wieder, ganz bewusst auf Außenseiter zu setzen.
Dazu zwei aktuelle Beispiele:
Im deutschen Bundesland Hessen setzt der bisherige Ministerpräsident Roland Koch bewusst auf das Thema Jugendkriminalität. Abgesehen von der Fragwürdigkeit seiner umstrittenen Vorschläge zur Reduzierung der Jugendkriminalität trifft er in seiner Wahlpropaganda vermutlich auf eine breite Wählerschaft – also einen Mediandurchschnitt – weil sich die breite Bevölkerung vor dem Anwachsen der Jugendkriminalität zu Recht fürchtet. Unsicher ist sein Sieg nur, weil er mit seinen Vorschlägen über das Ziel hinausgeschossen ist.
Anders war das bei den Wahlen des Gemeinderates in Graz. Sollte die Spitzenkandidatin der FPÖ, Frau Susanne Winter, ebenfalls auf den Mediandurchschnitt gesetzt haben, so wäre das eine Fehleinschätzung der Grazer Wähler gewesen – oder aber sie hat mit ihren extremen Äußerungen ganz bewusst auf Außenseiter gesetzt. Jemand der nur auf Außenseiter setzt ist wohl selbst Außenseiter und hätte in der Politik eigentlich nichts zu suchen.
am 22.01.2008 10:52
