
Weblog von Alfred Rhomberg
Igler Reflexe: Wien, Wien nur du allein...
Bildquelle: PC-Grafik A.Rhomberg
Es stimmt fast alles was über diese Stadt je geschrieben wurde – mal mehr, mal weniger.
79,000.000 Millionen Eintragungen in google (15-5-2008) würden es heutzutage erlauben, statistisch exaktere Aussagen über diese Stadt zu machen und das „mal mehr oder weniger“ genauer zu analysieren. Aber wen interessiert das? Niemand fährt wegen statistisch noch so gesicherter Durchschnittserlebnisse nach Wien – außerdem wird jede Statistik durch die bevorstehende EM 2008 derzeit sowieso verfälscht. Eigentlich genügen für meine eigene Statistik drei Episoden:
Nr.1 – bei einem Besuch der Wiener Hofburg hatte ich das letzte Foto meiner damals noch undigitalen Camera verschossen und ging zu einer Tabaktrafik innerhalb des Hofburggeländes. Als die Trafikantin meinen durch viele Auslandjahre etwas abgenützten, aber immer noch leicht österreichischen Akzent hörte, sagte sie zu mir: „Aber bitt gar schön, i würd eana den Film ja gern verkaufen, aber das mach i net – der Film kostet bei mir das 4-fache wie im Fotogeschäft 30 Meter weiter…“ (und sie beschrieb mir den Weg ins Fotogeschäft).
Nr.2 – Der Sohn eines berühmten englischen Dirigenten, meinte als Student zu meinem Sohn: „wenn ich einmal wirklich gedemütigt werden möchte, gehe ich in ein bekanntes Wiener Café“ (dessen Name hier nicht ausgesprochen werden muss, weil es eh jeder kennt). Ein Wiener Ober kann sich hinsichtlich Arroganz manchmal recht deutlich von einem italienischen Cameriere abgrenzen.
Nr.3 – Einer meiner Innsbrucker Freunde (seit 30 Jahren in Florida lebend), ist Patient eines jüdischen Arztes in Miami (Sohn eines jüdischen Wiener Arztes). Der Arzt in Miami konnte schon kein Wort deutsch mehr, nur den Text und die Melodie des Liedes „Wien, Wien nur du allein…“ – er freute sich derart über dieses Lied, dass mein Freund es bei jeden Arztbesuch in Miami mit ihm im Duett im Volltext singen musste, bevor er ein Lisinopil-Rezept gegen hohen Blutdruck verschrieben bekam, gegen den man auch (oder gerade) in Miami nicht gefeit ist.
Jeder verbindet seine eigenen Episoden mit Wien – mal bessere, mal schlechtere. Ich selbst könnte nur über die besseren berichten, weil ich mich an keine Statistik halte und mich vor jedem Wienbesuch von echten Wienern beraten lasse – es gibt leider nur immer weniger davon.
(Alfred Rhomberg)



