
Die Frage nach Sinnlichkeit, ist dies eine zutiefst menschliche, nahezu existenzielle? Menschein ist sinnlich sein. Ist das so und wie kann das sein...
eZine von call Sinnlichkeit
Sinnlichkeit - Sinnlichkeit im oder trotz Alltag - ein Gedankenexperiment
Bildquelle: (c) Helmut Schweighofer (www.helizentrum.com) - weiblicher Akt michaela3
Der Hunger drückt,
das schmutzige Geschirr steht im Weg,
die stinkigen Socken liegen herum,
die gewaschene Kleidung liegt noch in der Waschmaschine,
der Hund will nach draußen,
die Kinder schreien,
die/der ChefIn will eine neue Präsentation,
ein Termin beim Zahnarzt wäre nötig,
die Fachprüfung wartet,
der Rasen sollte geschnitten werden,
die/der Andere blockieren das Bad,
das Glas 47 steht nicht am richtigen Ort,
die Brille ist weg,
die Heizung defekt,
die Eltern rufen an,
der Radio ist zu laut.
Das Gegenteil, so es so etwas gibt, von Erotik ist sehr wahrscheinlich Alltag. Erotik entsteht aus dem überraschenden Moment, aus der Tiefe des Nichts heraus. Sie stimuliert und benötigt gleichermaßen die Sinne und die Sinnlichkeit. Sie lebt von Phantasie, von Leidenschaft, von Abenteuer und Neugier. Paare schlafen in vielen Kulturen in gemeinsamen Betten, frühstücken, essen, schauen TV, machen sich gemeinsam für den Abend fertig. JedEr kennt jedEr Falte der/des Anderen, jedes Kleidungsstück, jedes Verhalten.
Erotik lebt von Überraschung und Überraschungen kommen plötzlich, sind Abwechslung und wirken erotisch, weil sie Sehn- und Erlebnis-Süchte befriedigen. Erotik stimuliert die Sinne, Alltag rationalisiert und mechanisiert Prozesse.
Paare, die gemeinsam leben, tun quasi alles, um Erotik unmöglich zu machen. Und doch hat es einen Vorteil, der diesen Weg legitimiert und dazu motiviert: Die Sicherheit, nicht betrogen zu werden, die Sicherheit, ihren/seinen Partner unter Kontrolle zu haben.
Erotik wird dann zum Ausbruch, oder der Ausbruch aus dem Alltag ist dann erotisch, ein sinnliches Erlebnis, weil es Überraschungen in sich birgt.
Die fremde Frau/Der fremde Mann sind unbekannte und deshalb sehr wahrscheinlich starke Reize, stärker als das Bekannte, das Eroberte, das Gewohnte, das Alltägliche.
Der “Alltag einer Partnerschaft” in einer monogamen Beziehung ist so gedacht unausweichlich. Die Monotonie vielleicht so abtötend, dass kein Trieb, kein Begehren, keine Sexualität übrigen bleiben. Das jedoch scheint unwahrscheinlich. Der “Alltag einer Partnerschaft” sind vielmehr das “Ende von Erotik”, somit früher oder später das “Ende von Monogamie” und somit auch das “Ende der Prüderie” oder eben der (monogamen) Partnerschaft.
Tage der Entfernung sind hilfreich, Tage des Unwissens notwendig, wenn auch sie die schmerzliche Sehnsucht und Eifersucht bringen, so bringen doch Sehnsucht und Eifersucht auch die Phantasie und so auch die erotische Phantasie.
Ist das nicht wunderbar absurd.
am 24.09.2009 22:23
(1) Kommentare zum Beitrag "Sinnlichkeit im oder trotz Alltag - ein Gedankenexperiment"
RE: Erotik im oder trotz Alltag - ein Gedankenexperiment
Meiner Meinung nach ist nicht der “Alltag” per se schuld, am Ende der Erotik im engeren (also sexuellen Sinne – im Gegensatz zur Erotik im weiteren Sinne, die viel weitere Lebensbereiche berührt als die Erotik im engeren Sinne…), sondern eher die Unfähigkeit der PartnerInnen, sich Zeit zu nehmen für Erotik.
Diese Unfähigkeit entsteht in meinen Augen dadurch, dass das Begehrte kein “Ideal” ist, sondern ein “Normal” (ja, die/der Partner/in furzt, macht Schmutz und trägt nicht jeden Tag agent provocateur oder besitzt ein Sixpack).
Sobald es aber “normal” ist, ist es nicht mehr “begehrens-wert” (und bei dem Wörtchen “wert” müssten angesichts der Konnotationen dieses Wortes längst die Alarmglocken schrillen). Guten Tag, wir sind beim simplen Prinzip von Angebot und Nachfrage angekommen und damit bei der Ökonomisierung der Erotik bzw. bei der Erotisierung des Wegwerfgedankens.
Tage der Entfernung sind meiner Meinung nach gar nicht notwendig, um Chili in das eigene Schlafzimmer zu bringen.
Mehr Respekt vor der anderen Person würde schon reichen –
schließlich kommt manch eine Beziehung wieder so recht in Schwung, wenn die/der vermeintlich “normale” und damit “alltägliche” Partner/in plötzlich von anderen begehrt wird und plötzlich der eigene Blick durch den Fremdblick wieder erfährt, welch begehrens-werte Person doch die/der eigene Partner/in (trotz Furzen, Schmutz machen und dem Teddybären-Pyjama) ist.
geschrieben von Petra Schleich am 17.01.2010 21:11
Neuer Kommentar
Sinnlichkeit - INHALT
Meiner Meinung nach ist nicht der “Alltag” per se schuld, am Ende der Erotik im engeren (also sexuellen Sinne – im Gegensatz zur Erotik im weiteren Sinne, die viel weitere Lebensbereiche berührt als die Erotik im engeren Sinne…), sondern eher die Unfähigkeit der PartnerInnen, sich Zeit zu nehmen für Erotik.
Diese Unfähigkeit entsteht in meinen Augen dadurch, dass das Begehrte kein “Ideal” ist, sondern ein “Normal” (ja, die/der Partner/in furzt, macht Schmutz und trägt nicht jeden Tag agent provocateur oder besitzt ein Sixpack).
Sobald es aber “normal” ist, ist es nicht mehr “begehrens-wert” (und bei dem Wörtchen “wert” müssten angesichts der Konnotationen dieses Wortes längst die Alarmglocken schrillen). Guten Tag, wir sind beim simplen Prinzip von Angebot und Nachfrage angekommen und damit bei der Ökonomisierung der Erotik bzw. bei der Erotisierung des Wegwerfgedankens.
Tage der Entfernung sind meiner Meinung nach gar nicht notwendig, um Chili in das eigene Schlafzimmer zu bringen.
Mehr Respekt vor der anderen Person würde schon reichen – schließlich kommt manch eine Beziehung wieder so recht in Schwung, wenn die/der vermeintlich “normale” und damit “alltägliche” Partner/in plötzlich von anderen begehrt wird und plötzlich der eigene Blick durch den Fremdblick wieder erfährt, welch begehrens-werte Person doch die/der eigene Partner/in (trotz Furzen, Schmutz machen und dem Teddybären-Pyjama) ist.








