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07.07.2008
Kann denn Manga Sünde sein?
Trash (11 Beiträge von 8 AutorInnen online)
Trash – ist das alles was bunt, reißerisch, billig, abenteuerlich und kitschig, aber von fast allen gerne konsumiert wird? Oder ist es die wichtigste kulturelle Ausdrucksform der Industrialisierung, die die Massen und ihr Weltbild prägt? Ist Trash subversiv und gefährlich, weil es uns zu Träumen über Freiheit und damit gar zur Rebellion verführt, oder dient Trash in Wirklichkeit dem Erhalt einer prüden Gesellschaftsordnung, weil es die Sehnsucht nach Reichtum, nach Allmacht, nach „wahrer Liebe“, nach Heldentum, kurz, nach einem anderen Leben, zu kanalisieren hilft? Wann wird Trash zu Kult? Wann zur Kunst? Und welcher Trash äußert sich wie wo?
startblatt widmet sich der Vielschichtigkeit des Lebens zwischen Globalität und Lokalität. Menschen, Waren und Dienstleistungen bewegen sich global. Trotzdem suchen Individuen Sinnstiftung und Identität im Lokalen. Eines der wichtigsten kulturellen Phänomene des Kapitalismus ist „Trash“, welcher mittlerweile sogar in unterschiedlichen regionalen Ausformungen anzutreffen ist. startblatt möchte sich daher mit dem neuen Themen-Call einem millionenschweren Geschäft widmen, das bis heute (vielleicht zu Unrecht) gering geschätzt wird.

Weblog von call 2.1 Trash

Trash: Kann denn Manga Sünde sein?

Channel: Kultur/Medien
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Ein Millionengschäft aus Japan

Mangas und Animes gehören mittlerweile zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Japans. Ein Drittel aller Druckerzeugnisse sind Mangas. Über 90 % der erwachsenen Japaner kaufen täglich mindestens ein Comicmagazin. 2004 war der japanische Comicmarkt mit 1,4 Milliarden Veröffentlichungen pro Jahr der größte weltweit. Zwei Drittel der Titel wurden von den drei führenden Verlagshäusern Kodansha, Shueisha und Shogakukan herausgebracht. Die Comicmagazine erscheinen wöchentlich bis monatlich und in einer Stärke von 200 bis über 1000 Seiten. Inhaltlich umfassen sie die jeweils neuesten Kapitel mehrerer Serien. Man kauft sie günstig in Zeitungsläden, Buchhandlungen und Supermärkten. Papier und Druck ist meist qualitativ minderwertig. Mehr Qualität braucht es jedoch nicht, da der größte Teil der Manga- Magazine einmal gelesen und danach weggeworfen wird. Marktanteile der Magazine liegt bei etwa 70 %. Die Magazine sind außerdem wichtige Instrumente bei der Marktforschung. Setzt sich nämlich eine Serie im Magazin erfolgreich bei den LeserInnen durch, dann gibt’s auch bald Taschenbücher mit Zusammenfassungen mehrerer Kapitel der Serie in besserer Qualität und größeren Zeitabständen zu kaufen.

Der massive Konsum von Mangas in Japan lässt sich darauf zurückführen, dass Mangas extrem schnell zu lesen sind (JapanerInnen erfassen bis zu etwa 30 Seiten in der Minute). Deshalb sind sie die idealen Begleiter für mehrstündige U-Bahn- oder Zugfahrten, die JapanerInnen in den Metropolen Japans auf dem Weg zur Schule, Universität oder Arbeitsstelle zurücklegen müssen. Der Konsum von Mangas und die langen Anfahrtszeiten korrelieren demnach, was die Produktion von Mangas günstig beeinflusst. Allerdings muss eingeräumt werden, dass bislang am meisten Mangas in der Mitte der 1990er Jahre konsumiert wurden. Am Beginn des 21. Jahrhundert zeichnen sich rückläufige Auflagenzahlen ab. Wahrscheinlich haben sich selbst die JapanerInnen an Mangas irgendwann satt gesehen. Denn Mangazeichnungen tauchen im japanischen Alltagsleben auch auf Hinweisschildern und öffentlichen Bekanntmachungen, in Gebrauchsanweisungen, in Schulbüchern, und in der Werbung auf. Da flaut die selbst die größte Begeisterung zu Langeweile ab.


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