
Berichte und Kommentare zu Fragen und Debatten rund um die Erhaltung unseres Lebensraumes.
eZine von Redaktion Umwelt-Ökologie
Umwelt, Natur, Ökologie - Biosprit – Neuer Preisschub für Autofahrer
Beitrag von H.-P. Schleich
Die Erzeugung von Biosprit aus Bio-Ethanol zur Verwendung als Benzinsubstitut bei Autos entwickelt sich zunehmend als umweltpolitischer Bumerang und als Mittel zur Finanzierung des Staatshaushalts.
Biosprit – Treibstoff für die Armut
Vielen Konsumenten ist inzwischen klar geworden, wie wenig die Umwelt vom Einsatz von Bio-Ethanol als Beimengung zum Treibstoff profitiert. Unter dem grünen Mäntelchen “Umweltschutz“ können knallhart kalkulierende Financiers Investitionen in ansonsten unrentablen Produktionszweigen tätigen, die ihnen auf Jahre hinaus staatlich subventionierte schöne Renditen einbringen. Der exzessive Anbau von Getreide, Mais und anderen Pflanzen zur Bio-Ethanol-Erzeugung verschärft den Hunger in der Welt und verteuert die Grundnahrungsmittel allerorten.
Biosprit – Autofahrer zahlen doppelt
In den kommenden Jahren werden die Autofahrer durch die zweifelhafte Biospritbeimengung zum Treibstoff – zusätzlich zu den Preissteigerungen, die durch die hohen Rohölpreise verursacht werden – massiv zur Kassa gebeten. Einem Bericht der „ Presse“ vom 10.11.07 ist zu entnehmen, dass bis zum Jahre 2010 ein Zehntel des in Österreich getankten Treibstoffs aus pflanzlichen Rohstoffen stammen soll. Während die EU beabsichtigt, dieses Ziel erst bis zum Jahre 2020 zu erreichen, will Österreich mit der in ihren umweltpolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Effekten bisher viel zu wenig durchdachten Maßnahme auf Kosten der Autofahrer eine Vorreiterrolle spielen.
Biosprit – die Wertschöpfung geschieht andernorts
Da in Österreich die Anbauflächen für die Ausgangsprodukte einer Bio-Ethanolproduktion in so großem Umfang, wie sie für Beimischung zum Treibstoff benötigt werden, fehlen, hat sich die Agrarindustrie in Südosteuropa großflächig Ackerland zum Anbau der benötigten Rohstoffe gesichert und dort gleich dazu die Fabriksanlagen zur Bio-Ethanolerzeugung errichtet. Die Wertschöpfung für die Bio-Ethanolerzeugung entsteht somit großteils im Ausland, die viel zitierten Vorteile für die heimische Wirtschaft bei der Produktion von Komponenten und Erzeugnissen für den Umweltschutz und für die heimische Landwirtschaft durch den Anbau der pflanzlichen Rohstoffe treten nur im eingeschränkten Ausmaß ein.
Biosprit – Ökologisch fraglich
Die Erzeugung eines Liters Ethanol ist trotz hoher Rohölpreise um zehn bis zwölf Cents teurer als jene von Benzin. Hinzu kommt noch der geringere Energieinhalt von Bio-Ethanol gegenüber dem herkömmlichen Treibstoff. Die Verbrennungswärme, die bei der Verbrennung von einem Liter Bio-Ethanol entsteht, ist um ein Drittel geringer als jene, die sich bei der Verbrennung von einem Liter Benzin entwickelt ( „The Economist“, 29.09.07 ). Je höher die Bio-Ethanolbeimengung zum herkömmlichen Treibstoff, desto geringer sind die Energieausbeute und damit die Motorleistung. Zusätzlich entzieht die Verbrennung von Bio-Ethanol der Atmosphäre Wasser. „The Economist“ kommt zum Schluss, dass die Herstellung von Bio-Ethanol als Substitut für herkömmlichen Treibstoff derzeit deshalb so bevorzugt wird, weil der Rohstoff von Pflanzen stammt und deshalb als „Grün“ deklariert werden kann. Die wahren Gründe jedoch liegen woanders, und zwar:
1. In dem bestehenden Know-how, man weiß schon über 100 Jahre, wie man Bio-Ethanol herstellen kann und
2. in den Subventionen, mit denen die Bio-Ethanol-Produktion gestützt wird.
Biosprit – Ist das alles?
Es erscheint einfacher und leichter durchsetzbar zu sein, die Masse der Autofahrer und Steuerzahler mit direkten und indirekten Abgaben zu belasten, als mit vernünftigen, nur geringen oder gar keinen Aufwand erfordernden Maßnahmen der Ressourcenverschwendung Einhalt zu gebieten. Eine Maßnahme wäre, eine umfassende und transparente Information über alle Faktoren, inklusive Kostenwahrheit, die die Biospritproduktion und -verwendung beeinflussen. Andernfalls kann mit Recht spekuliert werden, dass der Staat mehr an den zusätzlichen Einnahmen interessiert ist, die unter dem grünen „Hütchen“ als Subventionen weitergereicht werden können.
Biosprit – Ökologische Maßnahmen enden nicht beim Treibstoff
Laut einer Studie des Verkehrsclubs Österreichs (VCÖ) werden in Österreich immer mehr geländegängige Großraumlimousinen – wahre Benzinsäufer und CO2-Emittenten – verkauft. Heuer wird es rund 34.000 Neuzulasssungen geben, insgesamt sind in Österreich 210.000 dieser Wägen, hauptsächlich im städtischen Umfeld, unterwegs. An diesem Faktum sieht man den Informationsbedarf.
Die EU scheiterte mit ihrem Versuch, bis zum Jahre 2012 bei den Personenkraftwagen den Durchschnittsausstoß von CO2 pro Kilometer auf 130 g zu drücken, an der europäischen Autoindustrie. In Österreich soll die Normverbrauchsabgabe (Nova) je nach Schadstoffausstoß eines Pkw erhöht oder gesenkt werden. Ab einem CO2-Ausstoß von 160 g je Kilometer soll ein Zuschlag von 30 Euro pro Gramm eingehoben werden. Das trifft wiederum die große Masse der Autobesitzer, da z.B. ein Opel Astra bei einem Normverbrauch von 6,3 l/100 km und einer Leistung von 90 PS (66 kW) bereits einen CO2-Ausstoß von 151 g/km hat, also knapp unter der Strafsteuergrenze liegt.
Biosprit – eine Geschwindigkeitsreduzierung hätte den gleichen Effekt
Der einfachste Weg mit minimalem Aufwand den größten Effekt zu erzielen, ist eine allgemeine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeiten auf Autobahnen (z. B. auf 120 km/h) und auf Landesstraßen (z. B. 80 km/h) vorzunehmen. Mit der Aufstellung nur einiger Verkehrstafeln an den Straßengrenzübergängen zu Österreich könnten die reduzierten Geschwindigkeiten bundesweit in Kraft treten. Das hätte einen Mehrfachnutzen zur Folge: Reduzierung der Subventionen für die problematische und fragwürdige Bio-Ethanolerzeugung, da durch die Geschwindigkeitsreduktion eine zumindest gleich große Menge an herkömmlichem Treibstoff eingespart wird wie durch die Biospritbeimengung; weiters Verringerung des CO2-Ausstoßes, Verminderung des Feinstaubausstoßes, Verringerung der Lärmbelastung, Verminderung der Verkehrsunfälle.
Die bisher an die Agrarindustrie vergebenen Subventionen kann man in die wirklich energiesparenden Maßnahmen bei der energetischen Optimierung von Gebäudehüllen und Heizungsanlagen investieren.




