
Berichte und Kommentare zu Fragen und Debatten rund um die Erhaltung unseres Lebensraumes.
eZine von Redaktion Umwelt-Ökologie
Umwelt, Natur, Ökologie - CO2 oder die Angst der Autoindustrie....
Bildquelle: startblatt 2007 - Autofahrer überfährt Zebrastreifen
... vor dem neuen Emissionsgesetz
Liebe Userinnen und User! Bitte halten Sie für Ihren Flug mit der Erde Ihre Sauerstoffmasken immer bereit. Bis 2012 werden die Zielvorgaben für Emissionsreduzierungen durch die Automobilhersteller doch nicht eingehalten. Bitte geraten Sie nicht in Panik, denn die Kollegen waren so freundlich uns mitzuteilen, dass die Ursache für den langsamen Fortschritt bei den Emissionsreduzierungen nicht bei ihnen liegen würde, sondern bei anderen Faktoren. Sie können also Ihre Reise durchs Universum wie gewohnt in Ihrem Automobil fortführen!
Falls Sie trotzdem beunruhigt sind, ob die Erde das solange durchhält und daher schon für den Fall des Falles ein Grundstück am Mond gekauft haben, dann haben Sie allen Grund dazu. Fliegen Sie jetzt – denn womöglich kommen Sie später nicht mehr durch das ganze Treibhausgas.
CO2 – die unselige Braut der Mobilität
Denn CO2 ist das Treibhausgas, das am stärksten zur globalen Erwärmung beiträgt. 10% des gesamten Ausstoßes in Europa werden von PKW verursacht. An dieser Stelle möchten wir mit dem Finger auf Audis, BMW, Mercedes, Land Rovers, Porsches und Jaguars zeigen – also all die großen, leistungsstarken Fahrzeugen, die in den letzten Jahren schon ungut aufgefallen sind, weil sie auch die meisten Parkplätze verbrauchen.
Bereits 1995 war den Staats- und Regierungschefs der EU klar, dass die Innenstädte Europas keine weiteren Parkplätze mehr zulassen würden und dass auch EuropäerInnen ein Recht auf frische Luft haben. Weshalb als Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel beschlossen wurde, bis 2012 den CO2-Ausstoß neuer Pkws auf 120 Gramm pro Kilometer (g/km) zu reduzieren. Dies entspricht einem Kraftstoffverbrauch von 4,5 Litern pro 100 Kilometer bei Dieselmotoren und 5 Liter/100 km bei Benzinmotoren. Dabei setzte die Kommission auf Freiwilligkeit der europäischen Autohersteller und vielleicht auch insgeheim auf die Intelligenz der KonsumentInnen, die bei ausreichender Staublunge und Asthma nur mehr kraftstoffeffiziente Autos kaufen würden. Bislang wurden die Erwartungen jedoch enttäuscht: die durchschnittlichen Emissionen betragen immer noch 163g CO2/km. Freiwilligkeit hat also bislang nicht zum Ziel geführt, weshalb daher gesetzliche Regulierungen die Industrie zur Räson rufen sollen.
Ohne Gesetze geht es nicht. Warum es bei einigen dennoch geht und bei anderen nicht?
Und weil Gesetze wie Zurechtweisungen funktionieren, aber im Gegensatz dazu verbindlich sind, wird auf Seiten der Betroffenen wehgeklagt. Die deutsche Automobilindustrie, weltweit führend in der Produktion von Luxusfahrzeugen und CO2-Ausstößen bei Autos, hat Vater Staat i.V. Mutter Bundesregierung angerufen, die neue Strategie zu verhindern. Nicht vergeblich, da die Vorlegung der neuen Strategie aufgrund von Unstimmigkeiten innerhalb der Kommission zwei Mal verschoben wurde.
Das lange Ringen um einen Kompromiss findet dennoch statt. Soweit absehbar wird man sich auf einen “integrierten Ansatz” zur Erreichung der Zielvorgaben einigen. Die Idee dahinter: Verbesserungen der Fahrzeugtechnologie sollen die durchschnittlichen Emissionen auf 130g CO2/km absenken. Die restliche Reduzierung (10g/km) sollen über komplementäre Maßnahmen erreicht werden, wie die verstärkte Nutzung von Biokraftstoffen, kraftstoffeffiziente Reifen und Klimaanlagen, ein besseres Straßen- und Sicherheitsmanagement und Änderungen im Fahrverhalten („öko-bewusstes“ Fahren).
Die Franzosen und Italiener werden sich damit abfinden können: Immerhin befinden sich die vier Hersteller Fiat, Citroen, Renault und Peugeot schon auf dem rechten Weg, um die Zielvorgabe von 140g CO2/km bis 2008 erreichen zu können. Für Deutsche und Engländer sind die Aussichten nicht so rosig: der durchschnittliche CO2-Ausstoß für Neuwagen aus Deutschland betrug im Jahr 2006 noch 172,5g CO2/km, nur 0,5% weniger als im Vorjahr.
Klar, dass diese fordern, dass alle Automobilhersteller individuell Verantwortung für das Erreichen der Zielvorgaben übernehmen sollen, was soviel bedeutet, dass Franzosen und Italiener nicht die deutschen “Benzinfresser“ subventionieren wollen. Auch die Japaner von Toyota sehen den Gesetzen mit Gelassenheit entgegen und sehen die neuen gesetzlichen Vorgaben als Herausforderung und nicht als Problem.
Deutsche und Engländer warnen jedoch vor Verlust der Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen, also die übliche Platte, wenn Unternehmen Vorschriften gemacht werden sollen.
Neues Gesetz ist ein fauler Kompromiss
Aber auch die Umweltorganisationen sind mit dem Kompromiss der Kommission zufrieden. Die Umweltorganisation Verkehr und Umwelt (T&E) lehnte den Vorschlag der Kommission ab und kritisierte, dass die Schwächung eines elf Jahre alten Klimaziels zu 100 Millionen Tonnen zusätzlicher CO2-Emissionen im Zeitraum 2012-2020 führen werde. Das Europäische Umweltbüro (EUB) meint sogar, dass dieser Kompromiss den Vorsprung der Kommission im Kampf gegen den Klimawandel, sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene eine Führungsrolle einzunehmen, verspielt hat.
Dabei wäre es den Herstellern, laut einer Studie des Autoratgebers Clean Green Cars leicht möglich, die vorgeschriebenen Emissionsgrenzen innerhalb der Fristen umzusetzen. Die Studie untersuchte die Emissionen aller Modellarten in allen Pkw-Klassen, die derzeit zum Verkauf stehen (von sehr kleinen Fahrzeugen über Mittelklassewagen bis hin zu luxuriösen Sport- und Geländewagen) und zieht den Schluss, dass die durchschnittlichen Emissionen der Automobilindustrie auf 140,8g/km statt der aktuellen 166g/km fallen würden, wenn alle Autos auf das Niveau des effizientesten Fahrzeuges der jeweiligen Kategorie gebracht würde.
Da bleibt eigentlich nur die Frage, warum es nur einige “clean and green” mögen?




