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14.10.2008
Die größten Dreckmacher und ...
Umwelt, Natur, Ökologie (8 Beiträge online)
Umwelt, Natur, Ökologie, Landwirtschaft.
Berichte und Kommentare zu Fragen und Debatten rund um die Erhaltung unseres Lebensraumes.

Umwelt, Natur, Ökologie - Die größten Dreckmacher und ihre Nachhaltigkeitsstrategien

Channel: Umwelt/Natur
Region: Österreich
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Der Müllberg wächst und nicht nur wegen den Haushalten. Auch der expandierende Straßen- und Häuserbau und die zunehmende Technisierung des Alltags – Computer, Handys, I-Pods & Co – verschlingen mehr Rohstoffe und machen gleichzeitig mehr Müll.

Das Abfallaufkommen, wie es im Fachjargon heißt, betrug 2004 in Österreich rund 54 Mio. Tonnen. Seit 2001 wurden laut dem vom Umweltministerium (BMLFUW) erstellten Bundes-Abfallwirtschaftsplan, kurz BAWP, etwa fünf Millionen Tonnen mehr davon angehäuft.

Baustoffe

Hohe Recyclingquoten erreicht bereits jetzt einer der größten “Abfallproduzenten”: Die Bauwirtschaft verwertet über 75 Prozent des mineralischen Bauschutts (u.a. Ziegel, Zement, Beton) und Straßenaufbruchs. Die Baurestmassen, die beim Abbruch von Hoch- und Tiefbauten und beim Aufbruch von Verkehrsflächen anfallen, sind gemeinsam mit Aushubmaterialien, die etwa beim Tunnelbau durchs Buddeln entstehen, von allen anfallenden Abfällen am wenigsten umweltgefährdend. Der Aushub besteht zu 50 Prozent aus Boden, der nur rein rechtlich als Abfall zählt. Bei einem Gesamtabfallaufkommen an Baurestmassen und Aushub von 28,6 Mio. Tonnen pro Jahr stellt sich eher ein Gewichtsproblem. Die Deponiekapazitäten sind begrenzt und eine Entsorgung auf Deponien ist nicht erwünscht. Punkto innovativer Recyclingtechnologien testet man daher derzeit in einem Wiener Versuchsgarten Baumsubstrat, das aus Kompost und recyceltem Ziegelgranulat besteht. Letzteres kommt auch bereits bei Dachbegrünungen zum Einsatz, da die Wurzeln der Pflanzen gut fassen können und das Material gut Wasser speichert.

An “grünem Beton” wird unter Leitung des Instituts für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau an der BOKU Wien gebastelt: Schotterrasen aus Baustoffrecyclingmaterialien soll künftig einmal als begrünte Oberflächenbefestigung bei Parkplätzen dienen. Diese Art von Oberflächenbefestigung habe auch erwünschte Nebeneffekte für die Umwelt: Oberflächenwasser kann versickern und Grundwasser sich erneuern.Jüngst wurden erste Versuchsflächen von Schotterrasen angelegt, Mitte 2008 sollen Ergebnisse vorliegen.

Ein weitaus weniger umweltfreundlicher Ruf hängt Kunststoffen nach. Der organische Werkstoff besteht aus halbsynthetischen oder synthetischen Polymeren, also Substanzen, die aus vielen gleichartigen Molekülketten oder Makromolekülen bestehen. Kunststoffe werden vor allem aus Erdöl und Erdgas gewonnenen. Der Werkstoff ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Pro Österreicher sind dem BWAP zufolge rund eine Tonne Kunststoffe in Verwendung. Diese kurz- und langlebigen Produkte werden zu unterschiedlichen Zeiten als Abfall anfallen.

Plastik

Ein weitaus weniger umweltfreundlicher Ruf hängt Kunststoffen nach. Der organische Werkstoff besteht aus halbsynthetischen oder synthetischen Polymeren, also Substanzen, die aus vielen gleichartigen Molekülketten oder Makromolekülen bestehen. Kunststoffe werden vor allem aus Erdöl und Erdgas gewonnenen. Der Werkstoff ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Pro Österreicher sind dem BWAP zufolge rund eine Tonne Kunststoffe in Verwendung. Diese kurz- und langlebigen Produkte werden zu unterschiedlichen Zeiten als Abfall anfallen.

Laut Österreichischem Kunststoff Kreislauf ÖKK kamen im Jahr 2005 etwa 118.000 Tonnen an Kunststoffverpackungen zur Verwertung. Nach offiziellen Zahlen wurde davon rund die Hälfte (56.000 Tonnen) sortiert und stofflich verwertet: Aus dem gewonnen Rezyklat entstanden wieder Shampoo- und Reinigungsmittelflaschen, Kanister, Eimer und Elektro-Bauteile. Mischkunststoffe (62.000 Tonnen) wurden hingegen vor allem thermisch verwertet und so etwa zur Erzeugung von Wärme genutzt. Der Heizwert von einem Kilo Kunststoff entspricht dabei ungefähr dem von einem Liter Heizöl.

E-Schrott und Altautos

Das Kunststoff-Recycling spielt auch im Zusammenhang mit der Verwertung von ausgedienten Elektro-Geräten und Autos eine zentrale Rolle. Kunststoffe machen bei Elektrogeräten etwa ein Viertel der Inhaltsstoffe aus – der Mixer, die elektrische Zahnbürste und der Toaster bestehen bis zu 60 Prozent aus Kunststoff. In Autos stecken nichtmetallische Werkstoffe zu einem Anteil von 25 Prozent – darunter vor allem Kunststoff.

Von Waschmaschinen und Haushalts-Kleingeräten über Telekommunikationsgeräte bis hin zu Unterhaltungselektronik und Werkzeugen – rund 120.000 Tonnen “E-Schrott” setzt der Österreicher laut BAWP pro Jahr vor die Tür. “Prinzipiell ist davon auszugehen, dass mit zunehmender Technisierung der Haushalte und mit den großen Wachstumsraten im Unterhaltungselektronik- und Informationstechnikbereich auch das Aufkommen an Elektrogeräten zunimmt”, heißt es in der Studie. Altfahrzeuge machen mit schätzungsweise über 150.000 Tonnen pro Jahr noch mehr Müll. Jährlich werden über 200.000 Pkw “still gelegt”, wobei nur ein Teil davon in Österreich verschrottet wird.

Mit der bereits in Kraft getretenen E-Schrott-Richtlinie und Altauto-Richtlinie der Europäischen Union steht die Industrie vor neuen Herausforderungen, was das Einhalten von Verwertungsquoten betrifft. Die EU fordert für alte Elektrogeräte eine Verwertungsquote von 70 bis 90 Prozent. Alle EU-Mitgliedsstaaten müssen mindestens vier Kilogramm Elektrogerät pro Einwohner sammeln. Seit 2006 müssen zudem mindestens 85 Prozent eines Altautos verwertet oder wiederverwertet werden – bis 2015 sind 95 Prozent gefordert. 2004 lag Österreich mit rund 78 Prozent noch unter der Quote.

Die recycelten Materialien könnten großteils wieder als so genannte Sekundärrohstoffe in die Produktion und damit in den stofflichen Lebenskreislauf einfließen. Voraussetzung dafür ist eine möglichst sortenreine Aufbereitung.

PVC

Zu den langlebigsten Kunststoffen zählt PVC. Der Werkstoff wird vor allem für Produkte im Baubereich, z.B. Rohre, Fenster, Kabel und Bodenbeläge, eingesetzt. PVC stand in den letzten Jahrzehnten in der breiten Öffentlichkeit eher als “Giftstoff” in Verruf, seine Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit war Untersuchungsgegenstand zahlreicher Studien. Als problematisch galten u.a. bei der Produktion eingesetzte Weichmacher und die Freisetzung von Dioxinen bei Verbrennung. Mittlerweile konnte man die Problembereiche der Vergangenheit lösen. Eine Herausforderung bei dem langlebigen Werkstoff liegt allerdings noch in seiner Rückführung in den Stoffkreislauf.

PVC-Abfälle können bereits werkstofflich recycelt werden: Das Recyclingmaterial fließt zum Teil in die PVC-Produktion zurück. Industrie und Forschung arbeiten am Ausbau an werkstofflichen und rohstofflichen Verwertungstechnologien. Das PVC Recycling spielt auch im Rahmen der europäischen Initiative Vinyl 2010 , bei der sich die Industrie freiwillig zu Maßnahmen verpflichtete, eine zentrale Rolle. So sollen etwa die Verwertungsraten gesteigert und eine umweltgerechte Produktion gefördert werden. Jüngst wurde ein aktueller Fortschrittsbericht veröffentlicht: Blickt man auf die im Jahr 2006 recycelte PVC-Menge von rund 83.000 Tonnen, so ist dies gegenüber 14.300 Tonnen 2004 durchaus ein Erfolg. Ein großer Teil der von Vinyl 2010 initiierten Recyclingprojekte ist nun mit dem Aufbau der Organisation Recovinyl unter einem gemeinsamen Dach aufgehoben.

Zukunft: Bio-Kunststoff?

PVC kommt in Leichtverpackungen kaum noch vor. Bei den kurzlebigen Kunststoffen stellt sich künftig eher ein Mengenproblem: Die Nachfrage nach kurzlebigen Produkten wird steigen. Blüht hier ein neuer Markt für innovative Recyclingtechnologien? Eher skeptisch äußert sich demgegenüber Vasiliki Maria Archodoulaki, Professorin am Institut für Werkstoffwissenschaft und -technologie der TU Wien. Neue Technologien gebe es bereits, sie seien aber noch zu teuer – die Anschaffung von Neuware für die Industrie attraktiver. Die Preise für neu produzierten Kunststoff sind – mit einigen Ausnahmen – derzeit mit etwa einem Euro pro Kilo noch zu günstig.

Vor dem Hintergrund der immer knapper werdenden Erdölressourcen sowie steigender Rohstoffpreise der petrochemischen Industrie keimt dennoch auch in der Kunststoffindustrie das Bewusstsein für neue Wege. Die Zauberformel lautet, multistrategische Ansätze zu finden. Ein Ansatz könnte bereits bei der Geburtsstunde des Produkts ansetzen: bei der Gewinnung des Werkstoffs. Großes Potenzial verspricht man sich von Biokunststoffen als hundertprozentig abbaubare und kompostierbare Alternative.

Die Entwicklung eines marktfähigen Biopolymers auf Stärkebasis wird etwa vom Wiener Laboratorium für Kunststofftechnik untersucht und im Rahmen der 2006 gestarteten Brancheninitiative BRA.IN Kunststoffwirtschaft der Forschungsförderungsgesellschaft FFG gefördert. Biokunststoffe aus industriellen Abfallstoffen mit Hilfe von Mikroorganismen produzieren Forscher am Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik der TU Graz.

Einem Pilotprojekt zum Thema Bio-Kunststofferzeugung in Österreich hat sich zudem der Kunststoff-Cluster , das größte branchenübergreifende Netzwerk des rot-weiß-roten Kunststoff-Sektors, gemeinsam mit dem Land Niederösterreich verpflichtet: Die Biokunststoffinitiative N-Packt’s testet Rahmenbedingungen für eine Biokunststoffproduktion in Österreich”.


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Redaktion