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eZine von Redaktion Wirtschaft
Wirtschaft, Kreativität, Geld - Inflation - eine gefährliche Furie
Bildquelle: startblatt - Inflation is ruining choice
Inflation ist eines der interessantesten Phänomene der modernen Gesellschaft. Denn nichts scheint außer Kriegen und Revolutionen die gleiche grausame Tragweite für Menschen zu haben. Inflation, wenn nicht gezügelt, gleicht einer Furie, die mit einem quasi unsichtbaren Feuer der Entwertung unerbittlich zerstört bis alles inklusive der Menschen wertlos zurückbleibt. Sie pervertiert die Lust am Wachstum, weil Wachstum plötzlich ins negative verkehrt wird. Sie pervertiert die Lust am Geld, weil sie immer mehr zu immer weniger macht. Der Verlust beschädigt Existenz und Vertrauen des Menschen in etwas, wovon sie geglaubt hat, dass es etwas Verlässliches, Festes und Dauerhaftes ist.
Das Bezugssystem, mit dem sich der Mensch identifiziert durch das er sich sozial differenziert und festigt, wird von der Furie Inflation quasi aufgefressen. 1 wird zu 100, dann zu 1000, dann zu 10000 und schließlich zu einer Million, aber die Strahlkraft bzw. das Magische dieser Zahlen, die vorher mit einem Masseninhalt dauerhaftes Gewicht ja Bedeutung hatten, ist gleichzeitig verloren. Der Mensch, der in sein Bezugssystem vertraut hat, wird enttäuscht und entwertet. Denn mit jeder Sekunde, die diese Furie am Werk ist, gerät nicht nur äußerlich alles ins Schwanken, sondern der Mensch selbst fühlt sich von Sekunde zu Sekunde, in denen der Wert des Geldes schwindet, geringer. Oder wie Elias Canetti schreibt:
“Er selbst oder was er immer war, ist nichts, die Million, die er sich immer gewünscht hat, ist nichts. Jeder hat sie. Aber jeder ist nichts. (...) der Mensch fühlt sich so schlecht wie das Geld, das immer schlechter wird; und alle zusammen sind diesem schlechten Gelde ausgeliefert und fühlen sich auch zusammen ebenso wertlos1.”
Doch als wäre die Zerrüttung des Geldes noch nicht genug, so richtet sich die Furie Inflation in ihrer Zerstörungswut schließlich gegen die Menschen selbst. Denn durch die Entwertung führt sie die Menschen zuerst zusammen, um dann das Gefühl über die Entwertung in einem Rausch aus Vergeltung und Verachtung auf eine Projektionsfläche der eigenen Minderwertigkeit und Entwertung zu entladen. Zuerst wird es das Geld an sich sein, das frau zutiefst, ob seiner Sprunghaftigkeit und Unverlässlichkeit, verachten wird. Wenn das nicht mehr ausreicht, wird sich der Zorn auch auf jene richten, die mit Geld zu tun haben. Diese werden dann als “schlecht” und “gefährlich” identifiziert, als “Feinde” deklariert und bekämpft und schließlich als wertlos bezeichnet.
Nicht zuletzt haben sich die Wirkungen der Furie Inflation seit Hitler, Nazideutschland und Auschwitz in das kollektive Gedächtnis der westlichen Welt eingegraben. In der Ökonomie spiegelt sich diese Erinnerung wider im wirtschaftspolitischen Ziel der Preisstabilität, das wie ein Augapfel von den VerantwortungsträgerInnen behütet wird, das sie zurückschrecken lässt, vor dem geringsten Anschein der Inflation, vor dem Geruch ihres sengenden Feuers der Entwertung. Beruhigend und besänftigend wird hier auf sie eingewirkt. Bewacht, beobachtet und betreut wird sie. Frau muss den HüterInnen dankbar sein, müsste frau meinen.
Dennoch ist die ökonomische Entfremdung zwischen den Menschen und den Institutionen des Finanzmarkts zu weit fortgeschritten, als dass diese noch als Player der politischen Bühne verstanden werden, als BeschützerInnen des sozialen Friedens. Vielleicht weil zuwenig darüber gesprochen und diksutiert wird, dass Geld, dessen Wert vom Menschen künstlich festgesetzt wird, bereits mehr ist als einfach nur Geld, dass es vielmehr zu einem Symbol geworden ist, das neben seinen angestammten Funktionen eine psychologische Wirkung auf den Menschen ausübt.
Geld ist damit nicht mehr passives Tauschmittel sondern aktiver Verführer, vermittelt Zärtlichkeit und Befriedigung, weil es einer verschaffen kann, was frau gerade begehrt, weil es abseits der Moral der eigenen Person Wert verleihen kann. Denn das System des Geldes folgt wie das soziale System einer Hierarchie. Die Rangklassen sind einfach durch die Wertklassen vertauscht. Oh wie ist es schön festzustellen, mehr 100er als 10er in der Tasche zu haben. Oh wie werden wir beachtet, wenn die Brieftasche dick und die Bankkonten voll sind. Oh wie schlecht fühlen wir uns, wenn wir “nur” mehr ein paar Münzen im Beutel haben. Oh wie peinlich, wenn gar nichts mehr drin ist und es ans Zahlen geht. Oh wie schön, wenn wir merken, dass es dem Geld egal ist, von wem es besessen wird.
Und solange wir eins besitzen, kann es uns egal sein, wie wir uns benehmen. Spätestens das merken wir, wenn wir wissen, wie frau einen Fernseher einschalten kann und wir die Sinnwidrigkeit zu unserem vermittelten Wertesystem zu deuten verstehen. Vielleicht gilt deshalb, dass hierzulande nicht offen über Geld gesprochen wird, weil es beschämend wäre zugeben zu müssen, dass es das Geld ist, dass den Unterschied macht und nicht die Tugenden eines Gekreuzigten.
Geld, die Finanzplätze und -institutionen dieser Welt sollten daher verstärkt in ihren Wirkungen als Massensymbole diskutiert werden, um Effekte von Interventionen besser einschätzen zu können – womit ich allerdings keine moralische sondern eine soziale Auseinandersetzung meine.
1 Canetti, E. (1980): Masse und Macht. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main. 205f.
am 15.02.2008 16:54




