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eZine von Petra Schleich
Wirtschaft, Kreativität, Geld - Über die Leistung III
Aus Leistung wird Transformation
Wenn wir Hand in Hand mit Sisyphos den Weg der Leistung gehen, dann bleibt uns die eigene Absurdität im Dasein nicht erspart oder wie Camus schreibt:
‘(...) wir sehen das verzerrte Gesicht die Wange, die sich an den Stein schmiegt, sehen, wie eine Schulter sich gegen den erdbedeckten Koloss legt, wie ein Fuß ihn stemmt und der Arm die Bewegung aufnimmt, wir erleben die ganze menschliche Selbstsicherheit zweier erdbeschmutzter Hände. Schließlich ist nach dieser langen Anstrengung (...) das Ziel erreicht. Und nun sieht Sisyphos, wie der Stein im Nu in jene Tiefe rollt, aus der er ihn wieder auf den Gipfel wälzen muss. Er geht in die Ebene hinunter1.’ Und wir gehen ihm nach. Jeden Tag. Jede Woche. Jedes Jahr. Ohne Murren. Ohne Verzagen. Das Ritual wiegt uns in Sicherheit. Tausende andere auch. Wir kümmern uns um die Fortbewegung von Materie. Werden wir erkennen, dass nicht die Materie Bedeutung hat, sondern die Energie? Gegenfrage: sind wir schon im Zeitalter der Relativität angekommen?
Relativität. Dabei entsteht die nicht-euklidische Geometrie, die auf einem vierdimensionalen Raum-Zeit-Kontinuum aufbaut. Wir leben nach Einstein in einer Art gekrümmten Raum. Energie ist verbrauchbar, sondern nur umwandelbar. Die Konsequenz ist größer als semantisch. “Leistung” als Funktion der Arbeit implizierte Verbesserung ad hoc. Energie jedoch lässt allein Veränderung zu. Eine abschließende Bewertung einer vollbrachten Leistung – ausgeschlossen.
Willkommen in der Transformation! Der Gedanke der Transformation hat eine andere Wertigkeit als im klassisch modernen “Leistungsgedanken” von ‘gut’ und ‘schlecht2’.
Dies ergibt sich aus einer grundsätzlich kritischeren und offeneren Ausgangsposition, einer gleichwertigen Betrachtung von Entstehung (Energiestrom, Transformation) und Ergebnis (Energieumwandlung) von Differenzen und dem Zeitpunktcharakter der Bewertung als Momentaufnahme innerhalb eines endlosen Prozesses3.
Bei kritischem Hinterfragen lässt sich insgesamt feststellen, dass die Begriffe ´Leistung´ und ´Arbeit´ – im Laufe der Zeit – semantisch und praktisch äußerst fragwürdige Gestalten angenommen haben.
‘In systematischer Hinsicht wären die physikalischen Größen Arbeit und Leistung entbehrlich. Alle Formulierungen, in denen sie vorkom-men, sind ohne Verlust an Anschaulichkeit oder Exaktheit auch mit den Begriffen Energie, Energieumwandlung (u.ä.) und Energiestrom möglich4.’
Allein der Wechsel der Begriffe stellt einen neuen Zugang dar, ein anderes Verständnis für die Prozesse wird erzeugt. Alles, was wir leisten, ist etwas zu transformieren. Es ist uns nicht möglich, etwas zu verbessern oder zu verschlechtern. Auch wenn wir innerhalb eines Inertialssystems eindeutig quantifizieren können und anhand einer Nominalskala bewertet werden können. wobei besser oft mehr und weniger oft schlecht bedeutet. Darin begründet ist auch die Auseinandersetzung mit der Frage, ob denn die gesamte Sozialevolution der Menschheit als Fortschritt gelten kann oder nicht.
1 Camus Albert (1998): Der Mythos des Sisyphos. Rowohlt. Hamburg. S. 125.
2 vgl. dazu auch die Schilderungen von Pirsig (2000), vor allem die Auseinandersetzug mit dem Begriff der “Qualität” im Zusammenhang mit der Ästhetik (18. Kapitel), wobei die Ästhetik mittels Qualität die Wertigkeit einschließt. Pirsig Robert M. (2000): Zen oder die Kunst ein Motorrad zu warten. Fischer Taschenbuch Verlag. 26. Aufl. Frankfurt am Main.
3 Der Begriff des Prozess ergibt sich fast notwendigerweise aus der Auseinandersetzung mit dem Energieerhaltungssatz. Zum Begriff ´Prozess´ in seiner neuzeitlichen Bedeutung schreibt Hanna Arendt im Kontext einer Auseinandersetzung mit dem Titel ´Der Prozesscharakter des Handelns´: „Der eigentliche Unterschied zwischen der Neuzeit bis in ihre letzten Stadien und der Zukunft, in der wir bereits leben begonnen haben, scheint zu sein, daß der Mensch seine handelnden Fähigkeiten, die darin bestehen, spontane Prozesse loszulassen, (...)“ und weiter hinten: „Daß wir aber überhaupt fähig sind, sowohl die Natur wie die Geschichte als Prozeß – System zu begreifen, geht auf die Er-fahrung des Handelns als dem eigentlichen Ursprung menschlicher Prozesse zu-rück.“, Arendt Hannah (1994): Vita activa. Piper. 8. Aufl. München. S. 225f.
4 www.ph-weingarten.de, 2002
am 13.11.2007 12:35




