
Weblog von Redaktion Wissenschaft
Wissenschaft: Europäische Kommission behindert Forschung
Bildquelle: picture-alliance/ZB/bundesregierung.de; Gemeinsam statt einsam
Jetzt ist es wohl raus: Die Europäische Kommission zentralisiert den ERA (European Research Area)-Prozess zu stark. Was Betroffene schon lange ahnten und spürten, wurde nun im Zuge der Diskussion eines Perspektivenpapiers zum Stand der ERA-Entwicklungen offenbar.
Im Rahmen einer Befragung der Kommission zum europäischen Forschungsraum (ERA) stellte sich heraus, dass der Verstärkung der hierarchischen Koordination von Forschungsaktivitäten und zentral geleiteten Forschungsnetzwerken zu viel Bedeutung von Seiten der Kommission eingeräumt wird.
Die meisten Befragten begrüßen zwar die Initiative der Kommission die ERA-Entwicklungen genauer unter die Lupe zu nehmen, doch kritisieren, dass diese nicht die wirklichen Probleme anspreche, es an Committment fehlen lasse und zu sehr die Rolle der Kommission im Europäischen Forschungssystem bzw. -raum thematisiere. Vermisst wird von den meisten die Berücksichtigung anderer stakeholder des öffentlichen und privaten Bereichs (z.B.: nationale und europäische Forschungseinrichtungen, Fördereinrichtungen sowie die Wirtschaft)
Es wird Zeit, dass auch die Kommission endlich versteht, was den Erfolg bzw. die positive Entwicklung von Wissenschaft und Forschung ausmacht:
(1) Freiheit der Forschung: nur finanzielle Unabhängigkeit ohne den Zwang zu Auftragsforschung fördert das Experiment und den Grenzgang, was Neues und Ungewöhnliches ermöglicht.
(2) Verbindung von Forschung und Lehre: die Kommission muss das Rad nicht neu erfinden, was Universitäten alleine oder in Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen des außeruniversitären Sektors seit Jahrhunderten vormachen.
(3) Rekrutierung von Spitzenkräften: geht in der Regel von alleine, wenn man Punkt (1) und Punkt (2) erfüllt. Darüber hinaus sollte man auch auf das stimulierende Umfeld und eine entsprechende Lebensqualität achten (auch Wissenschaftler und Forscher sind Menschen und dürfen daher nicht in architektonischen Schuhschachteln oder Bürotürmen gehalten werden)
(4) Interdisziplinäres Arbeiten: ist nicht nur eine modische Phrase, sondern echtes Bedürfnis kreativer/intelligenter Köpfe
(5) Verbindung von Theorie und Experiment: fördert die Zufriedenheit von denkenden Menschen. Was ist schon eine Idee, wenn man sie nirgendwo ausprobieren kann?
Die Kommission hat daher ein leichtes, um ERA in Schwung zu bringen: künstliche Knappheiten von Punkt (1) bis (5) in ganz Europa verringern helfen und einspringen, wo nationale und regionale Organisationen versagen (wollen).
am 13.09.2007 19:46



