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24.07.2008
Geschichtsschreibung ist ein...
Wissenschaft (16 Beiträge online)
Kommentare zu Wissenschaft, Forschung und Bildung. Berichte von Ereignissen in der Wissenschaft.

Wissenschaft: Geschichtsschreibung ist einseitig

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Wissenschaft - Geschichtsschreibung ist einseitig - planetquest.org / Museum of Natural Sciences, Brüssel, Belgien - The Ishango Bone
Bildquelle: planetquest.org / Museum of Natural Sciences, Brüssel, Belgien - The Ishango Bone

Neueste Untersuchungen am Knochen von Ishango beweisen, dass bereits vor 20 000 Jahren in Afrika elementare Mathematik betrieben wurde.

Beim Knochen von Ishango handelt es sich um ein versteinertes Artefakt, das vom belgischen Archäologen Jean de Heinzelin de Braucourt in den fünfziger Jahren im Kongo bei Ausgrabungen eines vom Vulkan verschütteten Dorfes gefunden wurde.

Der Knochen ist nicht größer als zehn Zentimeter, aber seine Bedeutung für die Geschichtsschreibung ist nicht zu unterschätzen: Die Wiege der Mathematik in Afrika????? Wie bitte??? Das ist doch gegen alles, was uns in der Schule erzählt wurde! Dort wurde noch gesagt, dass unsere ganze westliche Kultur, wenn nicht die gesamte entwickelte Zivilisation ihre Wiege in good old Griechenland hatte. Afrika ist da meistens ein Thema gewesen, das mit der Kolonialzeit abgehandelt wurde: eine paar Eingeborene in Hütten, die von den westlichen Völkern heimgesucht wurden.

Der Knochen von Ishango zeigt uns jedoch deutlich, dass mathematische Logik nicht erst seit Griechen wie Euklid oder Archimedes existiert. Vielmehr scheint sich die Arithmetik von Zentralafrika aus entlang des Nils nach Norden verbreitet zu haben.

Der Verdacht, dass unsere Geschichtsschreibung einseitig vom Eurozentrismus beeinflusst wird, erhärtet sich, wenn man neben dem Knochen von Ishango noch Indizien wie die “schwarze Athene” oder die genetische Verbindungen zwischen den Völkern nördlich von Ishango und den Athenern hinzufügt.

Es scheint, als müssten wir uns langsam von unserer Vorstellung einer Geschichte, geschrieben von der westlichen Welt, aufbauend auf einer Überhöhung der griechischen Antike und der europäischen Renaissance, verabschieden. Bedenkt man jedoch wie wenig man in Europa von einer Diskussion um die Bedeutung der schwarz-afrikanischen Kultur auf jene der Pharaonen und Griechen bemerkt und wie langsam erst die Schulbuch-Schreibung (bzw. die Pädagogik im allgemeinen) in der Regel auf Veränderungen wissenschaftlicher Grundlagen reagiert, dann werden wohl noch einige Generationen nach uns noch eurozentristische Vorstellungen von Geschichte vertreten.


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