Zettel - Forschung will hier niemand – schnelle und einfache Aussagen sind gewünscht!
Bildquelle: Karl Baumann - was siehst Du da?
Systemische BeraterInnen1 (z.B. Neuwaldegg) beschränken sich mehr oder weniger reflektiert auf das, was sie vorfinden und verformen durch Interventionen oder auch aktive Gestaltung (dessen Trennung nicht ganz einfach zu ziehen ist) nach einer gewissen Vorstellung, einem gewissen Idealbild, einer bestimmten Ethik, auf die man sich geeinigt hat. Sie sind (wieder) sehr populär und gelten mittlerweile auch noch als Vorzeige-Beispiel für „anwendungsorientierte Forschung“. Zum Teil ist dem zuzustimmen, als Ihre Methode vielversprechend ist: Sie gehen hin, schauen zu, machen etwas und versuchen ihre Lehre daraus zu ziehen, schreiben es nieder und vermarkten das dann auch – als wissenschaftliche Ergebnisse.
Der Ansatz ist gut, allein Ihre Beweggründe für das, was Sie dabei tun, sind höchst fraglich, als es kommerzielle Interessen zumeist sind, die sie bei ihren Bestrebungen leiten. Leider haben auch sie sich von der kindischen Idee des Wettbewerbes und der Excellenz anstecken lassen und verfolgen somit munter die Befriedigung ihrer eigenen Eitelkeit. Die Rechtfertigung dafür finden sie in wachsenden Kontoständen und Gewinner-Heroisierungen.
Die ForscherIn wäre kritisch demgegenüber, als sie grundsätzlich hinterfragt, sofern sie Rahmenbedingungen vorfindet, in denen dies zugelassen wird.
Darin besteht wohl auch ein wesentlicher Unterschied zwischen Forschung und Wissenschaft, als die Wissenschaft dem Grunde nach unkritisch ist. WissenschafterInnen sehen sich nicht als Teil ihrer Erkenntnis-Produktion in dem Sinne, als die BeobachterIn (sie selber) Teil Ihrer Beobachtung ist. So geht die WissenschafterIn von einer Trennung zwischen ihr (Subjekt) und den Dingen, die sie verwissenschaftlicht (Objekte), aus. Das Ergebnis einer solchen Betrachtung können „bestenfalls“ dogmatische Lehrsätze sein.
Forschung wäre dabei ein offener Diskurs, ein zwischenmenschliches Gespräch, als Er-Forschen ein aktives und beteiligtes Mit-Denken und Mit-Tun bedeutet, bei dem Selbstverständnisse entstehen und vergehen. Aus dem alltäglichen Er-Leben ergeben sich neue Sichtweisen, Einstellungen und Meinungen, die letztlich die Handlungen definierten, weil es dann erlebt und in der Folge erlernt wurde. Die ForscherIn beobachtet all diese Veränderungen, schreibt sie nieder und versucht „bestenfalls“ Regelmäßigkeiten, Gleichmäßigkeiten oder auch Absonderlichkeiten und Auffälligkeiten zu finden. Insofern macht die Dekonstruktion dessen, was da ist, das eigentliche Wesen der Forschung aus. Als solches wäre die Forschung zunächst dem Grunde nach kritisch, ja man möchte fast einen Imperativ herausschreien: „Sei kritisch gegenüber dem, was da ist!“
Damit so etwas entstehen kann, ist eine plurale und offene Gesellschaft notwendig mit hervorragendem Bildungsniveau und in der Folge hoher Toleranz gegenüber Minderheiten, Absonderlichkeiten und Irrsinnigem.
Für österreichische Verhältnisse, dessen nationale, technokratische und faschistische Tradition nach wie vor gekonnt den „Lifestyle“2 prägt, wäre dies eine radikale Veränderung, dessen Impuls aus der herrschenden Forschungs- und Gesellschaftspolitik kommen müsste.
Bemerkt schon jemand etwas davon?
1 Von herkömmlichen „Beratungsunternehmen“ (BCG, McKinsey & Comp., AT-Kearney, Droege & Comp. Accenture etc.) sei hier nicht die Rede, denn die betreiben ohnehin keine Beratung in dem Sinne, als Sie eine eigene Meinung vertreten. Vielmehr erfüllen diese den Bedarf nach Rechtfertigung für Entscheidungen, die sich ohne Sie nicht einfach durchsetzten ließen. Als solches sind Sie notgedrungen opportunistische Handlanger Ihrer AuftraggeberInnen und tun genau das, was eben dafür notwendig ist, um Ihre Honorare überwiesen zu bekommen und damit hat sich’s.
2 Solche Events wie jener des LifeBalls in Wien sind dafür wunderschöne Beispiele, als es sich dabei um einen kurzen Moment, einen kleinen Stich in die Seele der ÖsterreichIn nur handelt, bei dem sich Prominenz, Adabei und Möchtegern bestens alljährliche eine Gaudi macht und halt mal kurz auch Absonderliches als „cooles happening“ begafft und toleriert. Wichtig dabei ist, dass nachher alles wieder sauber aufgeputzt und in Ordnung gebracht wird und die “Kohle” stimmt.
am 23.08.2007 11:09





