Zettel - Forschungs-Evaluation ist absurd
Bildquelle: Karl Baumann - historische "Evaluationsgeräte" für richtige Ergebnisse
In den letzten Jahren hat sich ein umfassender und zum Teil auch äußerst lukrativer Markt für die Durchführung von Evaluation von Forschungstätigkeiten entwickelt.
• Zunehmend werden Forschungsmittel außerhalb der traditionellen, dafür vorgesehenen und teilweise über Jahrhunderte aufgebaute Organisationen (z.B. Forschungsbudgets für Universitäten) vergeben, weil dieser Weg als verkrustet, ineffizient, unflexibel, etc., weil bürokratisch, mit gezielter Propaganda schlecht gemacht wird. Wesentlich besser scheint es, projektbasierte Forschung zu finanzieren. Das hat den großen Vorteil für die GeldgeberIn, dass das Finanzierungsversprechen nur auf den Zeitraum des Projektes beschränkt ist. Ist das Projekt aus, dann ist es eben aus und Punkt.
Wesentlich dabei ist jedoch, dass das Projekt zumeist auch keine Chance auf weitere Mittel hat, ganz egal, ob es mit positiven oder keinen Ergebnissen am Ende aufwarten kann. Folgeaufträge sind nicht oder nur sehr, sehr selten angedacht. Eigentlich sehr komisch. Da werde zunächst scheinbar heilbringende Marktstrukturen (z.B. Wettbewerb um Projektbudgets) in die Forschung eingebracht, aber leider haben die MacherInnen darauf vergessen, neben Daumenschraube auch noch marktübliche Belohnungsmöglichkeiten einzuführen.
Was es jedoch bereit, umfangreich, teuer etc. gibt, ist eine Evaluation am Ende eines Projektes, Programmes, etc.
Konsequenzen derartiger Evaluation sind zumeist:- - Wieder weniger Geld für die eigentliche Forschung, weil sich einige EvaluatorInnen eine goldenen Nase dabei verdient haben – und das Geld muss ja auch wo her kommen – und, ja und…
- - ein Evaluationsbericht zum durchlesen. Insofern zwar nett, als es wieder etwas mehr zum Lesen gibt, aber eine Diskussion, geschweige denn Reflexion, geschweige denn Aktionen für die Verbesserung möglicher Schwächen – nein.
Das war’s dann eben somit zumeist auch. Also auf gut österreichisch:
Außer Spesen, nix gewesen!
• Werden die Forschungsmittel dort hin gegeben, wo aufwendig und teuer über die letzten Jahrhunderte Forschung aufgebaut wurde und stattfindet (z.B. Universitäten), dann führt sich Evaluation insofern ad absurdum, als die jeweilige wissenschaftliche Tätigkeit ohnehin der Kritik der jeweiligen Kollegenschaft in verschiedensten Formen unterworfen ist1.
Evaluation versucht in diesem Kontext2 Wissenschaftstheorie für wissenschaftliches Handeln zu sein. Evaluation praktisch gedacht beginnt genau dort, was herkömmlich als Wissenschaftsmethodologie bezeichnet wurde und in gebildeten Kreisen nach wie vor wird und ist insofern eben genau so kontroversiell, wie der Diskurs innerhalb der Wissenschaftsmethodologie und Epistemologie. Evaluation von Forschungstätigkeiten kann in diesem Sinne letztlich nichts anderes sein, als die Frage nach der Verwendung entsprechender Forschungsmethoden innerhalb einer entsprechenden Epistemologie. Dieser Fragen widmen sich traditioneller Weise “Philosophen” und dieser Diskurs ist ganz sicher nicht abgeschlossen, noch beantwortet und die unterschiedlichen Positionen so vielfältige wie das Leben selbst.
1 Editorial Boards entscheiden über die Tauglichkeit von wissenschaftlichen Artikeln, Berufungskommissionen entscheiden über die Tauglichkeit von Bewerbungen, Habilitations- und Promotionsverfahren entscheiden über die Tauglichkeit von Karriereschritten, etc. Dies alles passiert innerhalb mehr oder weniger hoch kompetenter WissenschafterInnen, die zumeist jedenfalls besser qualifiziert sind, als zufällige EvaluatorInnen.
2 Vor allem jene Ansätze, die sich post-strukturalistisch, post-modern oder sonst wie post… bezeichnen.





