Zettel - Kritik und double bind
Bildquelle: Karl Baumann - Frau an einer Nähmaschine
So Arbeit auf die Kategorie Leistung reduziert wird und dies ist in der kommerzialisierten Gesellschaft zumeist der Fall, so stellt sich die Frage, wie es zu einer Wertigkeit von Leistung kommt?
Es stellt sich die Frage, wie Leistung in einem sozialen Kontext zu verstehen ist und welche Qualität sie besitzt?
So es sich um Menschen handelt, die recht stark in (linearen) Prozessabläufen denken, kommt als Ergebnis verschiedener Beobachtungen die Vermutung auf, dass hierbei Leistung unmittelbar mit Selbst- bzw. Fremdausbeutung im Zusammenhang zu stehen scheint.
- • Glück ist etwas, das nicht weitere bezahlt werden muss, weil es Freude ist.
- • Eine Bezahlung ergibt sich vielmehr aus dem Arbeitsleid einer Tätigkeit, dem Opfer, das für die Arbeit erbracht wird.
- • Der Begriff der Leistung „objektiviert“ diese Sicht insofern, als eine Leistungsmessung durchgeführt wird. Die Kriterien, die hierbei zur Anwendung kommen, sind nunmehr wesentlich, in der Bewertung durch eine Vorgesetzte.
Tut nun jemand etwas „leidenschaftlich gerne“, so muss schon einiges passieren, dass es dafür auch eine Bezahlung gibt. Die Tätigkeit wird wohl nur dann entsprechend honoriert, wenn sie gesellschaftlich anerkannt ist oder weil die Ergebnisse bemerkenswert gut sind. Wobei beides ganz stark kulturspezifisch geprägte Aussagen sein werden.
Daraus kann sich gerade bei jemand, dessen Passion in der Beobachtung und Kritik der unmittelbaren Handlungen liegt, ein enormes Spannungsfeld ergeben, als das Üben von Kritik mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in derselben Situation zu Ablehnung führt: „_Wer will schon gerne kritisiert werden?_“, wäre der Volksmund zu einer derartigen Situation.
So die Kritik der Person aus altruistischen Motiven passiert, indem versucht wird, auf einen möglichen Mangel, eine Schwäche oder – anders herum – auf ein Verbesserungspotential hinzuweisen, so besteht eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Form der Anerkennung für diese Tätigkeit bei der Person, die kritisiert wurde, kommt.
Also wäre eines der Grundbedürfnisse – jenes nach (sozialer) Anerkennung – in einer derartigen Beziehung nicht einmal symbolisch vorhanden. Eine entsprechend gereizte Situation in einer derartigen Beziehung bzw. innerhalb der Organisation, in der sich dies abspielt, ist eine sehr wahrscheinliche Konsequenz.
Deshalb macht es Sinn, von Zivilcourage in einem solchen Kontext zu sprechen.
am 17.08.2006 19:05





