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Seibersdorf: Neue Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheitserregern entdeckt
Seit der eher zufälligen Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming im Jahr 1928 wurden viele weitere Antibiotika aus Schimmelpilzen gewonnen, die heute vor allem in der Medizin eingesetzt werden. Der achtlose Umgang mit Antibiotika und der Einsatz als Futtermittelzusatz in der Massentierhaltung führten dazu, dass viele Krankheitserreger, die früher noch durch Antibiotika abgetötet wurden, mittlerweile resistent dagegen geworden sind. Damit wird die Bekämpfung vieler Erreger unmöglich. Die pharmazeutische Forschung ist stets auf der Suche nach neuen Wirkstoffen und Antibiotika die diese resistenten Erreger trotzdem abtöten.
Die „Fungal Genomics Unit“, eine Kooperationsarbeitsgruppe der Austrian Research Centers (in Zukunft Austrian Institute of Technology, AIT) am Standort Seibersdorf und der Universität für Bodenkultur in Wien, hat unter der Leitung von Joseph Strauss gemeinsam mit ChemikerInnen und PilzforscherInnen aus den USA herausgefunden, warum die Anzahl der bisher entdeckten Stoffwechselprodukte wie z.B. Antibiotika so gering ist.
Die ForscherInnen berichten in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Chemical Biology“, dass unter Laborbedingungen jene Genabschnitte in den Schimmelpilzen stillgelegt sind, die für die Produktion von Antibiotika gebraucht werden. Unter den natürlichen Lebensbedingungen der Pilze werden diese Genabschnitte freigegeben. Dadurch sichern sie den Schimmelpilzen ein besseres Überleben, indem sie Bakterien und andere Konkurrenten mit Hilfe der Antibiotika und Pilzgifte ausschalten oder zumindest unterdrücken. Diese natürlichen Lebensbedingungen können im Labor aber nur für einen Bruchteil der Organismen nachgebaut werden, sodass es – mit den wenigen bekannten Ausnahmen – unter Laborbedingungen nicht zur Produktion des vollständigen Spektrums an Wirkstoffen kommt.
Die ForscherInnengruppe konnte nun den Hintergrund des Stilllegens der Genabschnitte („silencing“ genannt) klären: durch sogenannte “epigenetische“ Phänomene werden ganze Abschnitte eines Genoms in eine unzugängliche Struktur verpackt und damit wird die dahinterliegende genetische Information unlesbar. Unter diesen Bedingungen werden weder Antibiotika noch andere Wirkstoffe gebildet. Im Rahmen eines vom Forschungsfonds FWF geförderten Projektes über die epigenetische Regulation in Schimmelpilzen und in Kooperation mit zwei amerikanischen Universitäten versuchen die Forscher nun, in diese epigenetische Regulation gezielt einzugreifen und damit eventuell die versteckten biologischen Schätze von Schimmelpilzen zugänglich zu machen. Damit kommen neue Wirkstoffe und Antibiotika wieder in Reichweite, um ein brennendes Problem in der Medizin und der Krankenhaushygiene wieder in den Griff zu bekommen
(1) Kommentare zum Beitrag "Neue Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheitserregern entdeckt"
RE: Neue Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheitserregern entdeckt
Der Beitrag ist wissenschaftlich sehr interessant, der Weg auf diese Weise zu neuen Antibiotica aus Schimmelpilzen zu gelangen jedoch unendlich mühsam. Bekanntlich wurden unzählige Schimmelpilzarten mit negativem Resultat getestet, sie alle müssten einer dem Beitrag entsprechenden Genmanipulation unterzogen werden, um ein eventuelles Potenzial zur Bildung neuer Antibiotica neu zu erkennen. Wo fängt man da an? Nach meiner Meinung ist nach wie vor der in der Pharmaindustrie beschrittene Weg chemischer Veränderungen von aus Schimmelpilzen gewonnenen bekannten Antibiotica der erfolgsträchtigere Weg. Bekannte Beispiele sind u.a. die Cephalosporine durch Abwandlung der Penicillinstruktur oder aber Verbindungen wie Clavulansäure, die das antibakterielle Spektrum von Penicillinen durch eine spezifische Enzymhemmung verbessern ohne selbst bakteriostatisch zu wirken – weiteren solchen Wegen wird vermutlich mehr Erfolg beschieden sein. Dem Verfasser des Kommentars war auch nie verständlich, dass das wegen potenzieller (meist durch Überdosierung) in Verruf geratene Chloramphenicol in den wenigen Fällen wo es bei Resistenzen um Leben oder Tod geht, heute absolut „tabu“ ist. Chloramphenicol als Translationshemmer hat ein äußerst breites Wirkungsspektrum, wobei bisher keinerlei Resistenzen bekannt geworden sind. Gerade wenn, es um „Leben und Tod“ geht, ist die in Einzelfällen auftretende Knochenmarkschädigung unerheblich
Die Quintessenz dieses Kommentars ist, dass so interessant eine Forschungsrichtung auch immer sein mag, die Erfolgswahrscheinlichkeit mehr berücksichtigt werden sollte – aber da denke ich als ehemaliger Abteilungsleiter für Antibioticaforschung vielleicht zu pragmatisch.
geschrieben von Alfred Rhomberg am 22.05.2009 00:52
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(21.05.2009) Neue Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheitserregern entdeckt
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(21.05.2009) Neue Möglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheitserregern entdeckt
Der Beitrag ist wissenschaftlich sehr interessant, der Weg auf diese Weise zu neuen Antibiotica aus Schimmelpilzen zu gelangen jedoch unendlich mühsam. Bekanntlich wurden unzählige Schimmelpilzarten mit negativem Resultat getestet, sie alle müssten einer dem Beitrag entsprechenden Genmanipulation unterzogen werden, um ein eventuelles Potenzial zur Bildung neuer Antibiotica neu zu erkennen. Wo fängt man da an? Nach meiner Meinung ist nach wie vor der in der Pharmaindustrie beschrittene Weg chemischer Veränderungen von aus Schimmelpilzen gewonnenen bekannten Antibiotica der erfolgsträchtigere Weg. Bekannte Beispiele sind u.a. die Cephalosporine durch Abwandlung der Penicillinstruktur oder aber Verbindungen wie Clavulansäure, die das antibakterielle Spektrum von Penicillinen durch eine spezifische Enzymhemmung verbessern ohne selbst bakteriostatisch zu wirken – weiteren solchen Wegen wird vermutlich mehr Erfolg beschieden sein. Dem Verfasser des Kommentars war auch nie verständlich, dass das wegen potenzieller (meist durch Überdosierung) in Verruf geratene Chloramphenicol in den wenigen Fällen wo es bei Resistenzen um Leben oder Tod geht, heute absolut „tabu“ ist. Chloramphenicol als Translationshemmer hat ein äußerst breites Wirkungsspektrum, wobei bisher keinerlei Resistenzen bekannt geworden sind. Gerade wenn, es um „Leben und Tod“ geht, ist die in Einzelfällen auftretende Knochenmarkschädigung unerheblich
Die Quintessenz dieses Kommentars ist, dass so interessant eine Forschungsrichtung auch immer sein mag, die Erfolgswahrscheinlichkeit mehr berücksichtigt werden sollte – aber da denke ich als ehemaliger Abteilungsleiter für Antibioticaforschung vielleicht zu pragmatisch.
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